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Faktencheck Windenergie und Landschaftsbild

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Faktencheck Windenergie und Landschaftsbild

Beim Faktencheck zum Thema „Windenergie und Landschaftsbild“ in Bad Hersfeld diskutierten rund 80 Teilnehmer über die individuelle Wahrnehmung und Bedeutung von Landschaft und die Bewertungsansätze, die im Kontext der Planung und Genehmigung von Windenergieanlagen herangezogen werden. Experten aus Wissenschaft und Praxis gaben einen Überblick darüber, wie das Landschaftsbild in der Planung von Windenergieanlagen berücksichtigt werden kann.

Alle Vorträge der Veranstaltung sowie den Infobrief, der zu dem Thema im Regierungsbezirk Kassel Ende November erschienen ist, finden Sie zum Download in der Navigation auf der rechten Seite.

Im Rahmen des Landesprogramms „Bürgerforum Energieland Hessen“ fand am 6. Oktober 2016 ein weiterer Faktencheck im „wortreich“ in Bad Hersfeld statt, dieses Mal zum Thema „Windenergie und Landschaftsbild“. Ziel dieses Faktenchecks war es, das Spannungsfeld zwischen der individuellen Wahrnehmung bzw. Deutung von Landschaft und den verschiedenen Bewertungsansätzen im Kontext von Planung und Genehmigung aufzuzeigen und zu diskutieren.

Nach der Begrüßung durch Bad Hersfelds Stadtrat Hans Georg Vierheller und Dr. Rainer Kaps von der Hessen Agentur konnten die Teilnehmenden zunächst per TED angeben, welches Thema der Veranstaltung sie besonders interessiert. Großes Interesse bestand für Fragen der Landschaftsbildbewertung in der Praxis der Raumplanung und von Zulassungsverfahren.

Im ersten Veranstaltungsteil „Landschaft im Wandel der Zeit“ machte Prof. Dr. Dr. Olaf Kühne (Universität Tübingen) deutlich, dass die Bedeutung und damit auch die Definition von „Landschaft“ einem stetigen Wandlungsprozess unterliegen, der stark von gesellschaftlichen Entwicklungen geprägt ist. Somit findet häufig auch zwischen verschiedenen Generationen eine unterschiedliche Deutung von Landschaft statt. „Landschaft ist kein Gegenstand, sondern eine individuelle und soziale Konstruktion“, so Prof. Kühne.

Der stark individuelle Bezug von Landschaftsbild, der zudem noch mit dem Bezug zu Heimat verknüpft ist, macht es schwer, das Landschaftsbild zu einem Bewertungskriterium zu machen. Andererseits erfordert aber gerade die strittige Diskussion dieses Aspekts eine Berücksichtigung in Planungs- und Genehmigungsprozessen von Windenergieanlagen. Dies war Schwerpunkt des Teils „Grundlagen der Landschaftsbildbewertung“. Welche Ansätze es dabei gibt (zum Beispiel Wirkzonenmodelle und Sichtbarkeitsanalysen), welche Bezüge aus dem Bundesnaturschutzgesetz dahinter stehen und welche Verbesserungsbedarfe noch bestehen, das machte Dr. Elke Bruns vom Institut für nachhaltige Energie- und Ressourcennutzung (INER) aus Berlin deutlich. Diesen Beitrag ergänzte Dr. Ivo Gerhards (Regierungspräsidium Gießen) indem er aus der Planungspraxis Mittelhessens beschrieb, wie dort der Aspekt Landschaftsbild vor allem mit der Untersuchung kumulativer Auswirkungen sowie Sichtbarkeitsanalysen Berücksichtigung in der Regionalplanung findet.

Prof. Dr. Michael Roth (Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen) griff die Praxis aus der Regionalplanung weiter auf. Sein Vortrag betonte die Bedeutung der Beteiligung der Menschen vor Ort bei der Bewertung von Landschaftsbild. Denn: Gerade weil dieses Kriterium methodisch schwer zu fassen ist, prägt es die Diskussionen um geplante Windenergieanlagen. Die verschiedenen Ansätze der Beteiligung wie Online-Beteiligung, Vor-Ort-Begehungen, Visualisierungen stellte er vor. Mit Dietrich Vahle war ein Vertreter des Regierungspräsidiums Kassel vor Ort, der als Dezernatsleiter „Naturschutz bei Planungen und Zulassungen“ in die Genehmigung von Windenergieanlagen eingebunden ist. Er brachte vor, dass in Genehmigungsverfahren die Beeinträchtigung des Landschaftsbildes derzeit zwar festgestellt, aber mit Kompensationszahlungen ausgeglichen wird. Roth und Vahle machten deutlich, dass aus ihrer Sicht das Thema Landschaftsbild vor allem auf der planerischen Ebene eine höhere qualitative Bedeutung in den Verfahren gewinnen sollte - dafür wären aber bundesweit oder zumindest landesweit einheitliche Verfahren wichtig.

Jochen Mülder (Lenné 3D GmbH) beschrieb seine praktischen Erfahrungen von der Visualisierung und Simulation von Windenergieanlagen. Auch er betonte, die Bevölkerung vor Ort bei der Erstellung von Visualisierungen mitzunehmen, beispielsweise bei der Auswahl von Fotopunkten. Dies bedeute zwar nicht unbedingt, dass die Akzeptanz des Vorhabens steige, so Mülder, das Verfahren werde aber als fairer empfunden.

Die Rückmeldungen und Diskussionsbeiträge der Teilnehmenden bestätigten die Impulse aus den Vorträgen. Vielfach wurde deutlich, dass das Bedürfnis der Menschen vor Ort groß ist, die Aspekte Heimat und Landschaftsbild zu berücksichtigen. Weil sie aber kein hartes Kriterium in der Planung und Genehmigung darstellen, würden vielfach Ersatzthemen vorgebracht, wie z.B. Artenschutz oder Infraschall. Eine Anregung aus der Veranstaltung war somit zu überdenken, wie dem Thema Landschaftsbild angemessen Raum in den Diskussionen vor Ort gegeben werden kann.

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Windenergie und Landschaftsbild: Kurzinterviews mit den Experten

Auf dem Faktencheck „Windenergie und Landschaftsbild“ beleuchteten drei Experten, Prof. Dr. Michael Roth, Jochen Mülder und Prof. Dr. Dr. Olaf Kühne das Spannungsfeld zwischen individueller Wahrnehmung von Landschaft und Ansätzen zur Landschaftsbildbewertung aus unterschiedlichen Perspektiven. In Kurzinterviews geben Sie einen Überblick über ihre jeweilige Sichtweise. Die Vorträge der Experten finden Sie auch zum Download, die Ergebnisse des Faktenchecks werden für Sie zeitnah in einem Faktenpapier zusammengefasst.

Drei Fragen an:

Prof. Dr. Michael Roth, Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen

Jochen Mülder, Geschäftsführer des Visualisierungsbüros Lenné3D

Prof. Dr. Dr. Olaf Kühne, Universität Tübingen