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Windenergie und Landschaftsbild - Drei Fragen an Olaf Kühne

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Drei Fragen an Olaf Kühne

Prof. Dr. Dr. Kühne ist Professor für Stadt- und Regionalentwicklung an der Universität Tübingen und betreibt sozialkonstruktivistische Landschaftsforschung und untersucht Landschaftsveränderungen, insbesondere im Kontext der Energiewende. Auf dem Faktencheck referierte er über Landschaftsentwicklungen – zwischen physischen Räumen und gesellschaftlichen Verständnissen.

Herr Professor Kühne, gerade aus der Perspektive der Konstruktivisten liegt Schönheit im Auge des Betrachters. Ihre Untersuchungen zeigen, dass Industrielandschaften von Menschen zunehmend als schön wahrgenommen werden. Woran liegt das?

Ich würde mich nicht nur auf das ästhetische Urteil „schön“ fokussieren wollen, sondern auch das Thema „Erhabenheit“ betrachten. In der Tat können nicht nur natürliche Landschaften wie Vulkane oder Gebirge als erhaben und somit als beeindruckend gelten, sondern auch Altindustrielandschaften. Menschen empfinden sie heute weniger als hässlich, sondern sich selbst dieser Landschaft vielmehr als zugehörig. Dass Altindustrielandschaften für uns wertvoll geworden sind, liegt auch daran, dass unser Bild des Arbeiterlebens in früheren Zeiten eine Aufwertung erfahren hat. In stillgelegten Zechen und Eisenwerken sehen wir nun Symbole des harten und einfachen Arbeiterlebens, einer Welt also, die verständlich ist und in der jeder seinen Platz zu haben schien.

Bei neuen Industriebauten sieht das jedoch anders aus. Windenergieanlagen haben es oft schwer, als Teil der Landschaft akzeptiert zu werden.

Noch. Sollten wir ein Verfahren entwickeln, sauber und billig elektrische Energie zu erzeugen und Windkraftanlagen würden überflüssig – sagen wir, in fünfzig Jahren –, dann würden Heimatschützer die Windräder unter Denkmalschutz stellen wollen – da gehe ich jede Wette ein. Man hängt eben an dem, was man aus seiner Kindheit, der ersten Phase der Sozialisierung, kennt. Auf Landschaft übertragen bedeutet das, dass sie vor allem stabil sein soll.

Ist diese Erwartung in der Bevölkerung gleichmäßig verteilt?

Nein, sie ist besonders stark in Vorstädten vertreten. Wenn ich der Schönheit der Umgebung wegen von der Stadt in die Vorstadt ziehe, dann soll sie meinen Erwartungen an eine „schöne“ Landschaft entsprechen. Aber auch hier haben wir es nur mit einer Tendenz zu tun. Auch der landschaftliche Kontext hat Einfluss auf diese Erwartung und somit letztlich auch auf die Frage, wie viele Windenergieanlagen hinnehmbar sind. Und es gibt weitere Faktoren, die sich darauf auswirken. Dazu zählen kulturelle Hintergründe, aber auch individuelle Erfahrungen, unterschiedliche Bildungsgrade, Alter, Geschlecht etc.


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