www.energieland.hessen.de

Bürgerforum Energieland Hessen in Frankfurt am Main

www.energieland.hessen.de

Faktencheck „Speicher in der Energiewende I“

Alle Vorträge der Veranstaltung finden Sie zum Download in der Navigation auf der rechten Seite.

Die rund 120 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus den Bereichen Energiewirtschaft, kommunalen und regionalen Verbänden, Ministerien, Netzbetreibern, Kommunen und Bürgerinitiativen diskutierten einen Tag lang mit Fachleuten und sachkundigen Bürgerinnen und Bürgern auf politischer, wirtschaftlicher und wissenschaftlicher Ebene über die zukünftige Entwicklung von Speichertechnologien und deren Einsatzgebiete.

Nach der Begrüßung durch Dr. Rainer Kaps von der Hessen Agentur leitete Prof. Dr. Birkner als Geschäftsführer des House of Energy in den Tag. Er beschrieb zu Beginn die Funktion und Arbeitsweise des neu gegründeten House of Energy und umriss kurz die thematische Komplexität der Energiewende und der mit ihr einhergehenden Herausforderungen. Deutlich verwies er dabei auf die Notwendigkeit von Kurz- und Langzeitspeichern für das Gelingen der Energiewende. Ein einführender Videobeitrag stimmte alle Teilnehmenden zu Beginn der Veranstaltung nochmals auf die Themen Energiewende und Speichertechnologien ein und skizzierte bereits erste Fragen, die im Verlauf des Tages in der Diskussion bearbeitet werden sollten. Hier geht es zum Download.

www.energieland.hessen.de

Kurzfilm (2:07 Min)

 
 
www.energieland.hessen.de

In einem ersten inhaltlichen Themenblock, der den Vormittag der Veranstaltung füllte, stellten drei Fachexperten – Dr. Matthias Deutsch (Agora Energiewende), Prof. Dr. Michael Sterner (OTH Regensburg) und Dr. Ralf Sitte (Bundesministerium für Wirtschaft und Energie) – die Auswirkungen der verstärkten Einspeisung Erneuerbarer Energien auf unser Energiesystem vor und ordneten den Einsatz von Speichertechnologien als Lösungsstrategie ein.

Dr. Matthias Deutsch arbeitete zu Beginn die Möglichkeiten der Integration von Speichern in das Gesamtsystem heraus. Hierbei wurde deutlich, dass eine kosteneffiziente Nutzung von Speichertechnologien erst mit steigenden Anteilen Erneuerbarer Energien im System möglich werden wird. Im Vergleich der verschiedenen Optionen zur Flexibilisierung des Stromsystems hätten andere Optionen aktuell noch einen Kostenvorteil vor Speichern, wobei sich dies in Zukunft verändern würde. Mit Interesse wurde anschließend die Frage diskutiert, ob der Kostenvergleich der verschiedenen Flexiblitätsoptionen als einziges Kriterium zur Bestimmung einer effizienten Einsatzreihenfolge sinnvoll ist oder ob nicht auch weitere Gesichtspunkte wie Aspekte der gesellschaftlichen Akzeptanz von Lösungen relevant wären.

Daran anknüpfend diskutierte Prof. Dr. Michael Sterner (OTH Regensburg) in seinem Vortrag verschiedene Entwicklungspfade im Bereich der Speichertechnologien. Dabei unterstrich Prof. Dr. Sterner vor allem die Vielfältigkeit von Energiespeichern und ihre Anwendungsmöglichkeiten. Darüber hinaus verdeutlichte er, dass es bereits heute eine Vielzahl effektiver Speicher gäbe, die die Energiewende aktiv unterstützen könnten und bereits bestehenden Systemen mehr Flexibilisierung ermöglichen würden. Die alleinige Fokussierung auf den Netzausbau als Flexibilisierungsoption wäre auch auf kurze Frist nicht der richtige Weg. Deutschland brauche vielmehr neben dem Ausbau des Stromnetzes mittel- und langfristig auch den Ausbau und die Integration von Speichertechnologien verschiedener Art. Das Kriterium Kosten könne hier nicht alleine ausschlaggebend sein.

Als dritter Experte verdeutlichte Dr. Ralf Sitte (Bundesministerium für Wirtschaft und Energie) die derzeitige politische Situation und die rechtlichen Rahmenbedingungen rund um Speichertechnologien. Die Einbindung von Speichertechnologien sei auch aus politischer Sichtlangfristig ein wichtiger und notwendiger Schritt. Jedoch sei zum jetzigen Zeitpunkt die Durchsetzungsfähigkeit von Speicherdienstleistungen am Markt das entscheidende Kriterium um zu beurteilen, ob sie aktuell schon nachgefragte Leistungen erbringen würden, oder eben nicht. Abschließend erläuterte Herr Dr. Sitte die umfangreich ausgestatteten Förderprogramme zur Anreizung von Weiterentwicklungen im Bereich Speicher und ging kurz auf die aktuellen rechtlichen Änderungen im Zuge der Novellierung des EEG ein.

Der zweite Teil der Veranstaltung offerierte einen Einblick in die große Zahl von derzeit in der Praxis erprobten Projekten und Ansätzen im Bereich der Speichertechnologien in Hessen und angrenzenden Bundesländern. Dabei gab Dr. Schäffler (schäffler sinnogy) einleitend einen Überblick über mögliche Geschäftsmodelle mit Energiespeichern. Darauf aufbauend stellte Thomas Heller (MicrobEnergy GmbH, Viessmann Group) den Teilnehmenden die Power-to-Gas-Demonstrationsanlage Allendorf vor, die über eine innovative Lösung mit Biogas-Anlagen gekoppelt wird. Mira Conci von der Technischen Universität Darmstadt verdeutlichte mit einem Projekt der Vernetzung von Siedlungsbausteinen für bestehende Wohnquartiere Möglichkeiten lokaler und dezentraler Stromspeicherung. Mit dem Praxisbeispiel der SchwarmBatterie demonstrierte Volker Wachenfeld, (SMA Solar Technology AG) die einfache und effektive Nutzung von Batteriespeichern für den privaten Haushalt über eine Vernetzung von Prosumern. Abschließend erläuterte Dr. Robert Thormann (MVV Energie AG) das Projekt Strombank, das Dienstleistungen rund um Stromspeicher in Form eine „Stromkontos“ ermöglicht und neue Vertriebswege aufzeigt.

In den Praxisbeispielen offenbarte sich, wie spannend und vielfältig Forschung und praktische Anwendungen im Bereich der Speichertechnologie als Teil der Energiewende momentan sind. Die interessanten Gespräche zum Einsatz von Speicher in der Energiewende während des abschließenden get-togethers rundeten den Tag ab.

zum Teil II: „Potenziale von Power-to-X Technologien und Sektorkopplung in Hessen“ am 29.11.2016