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Windenergie und Landschaftsbild - Drei Fragen an Prof. Dr. Michael Roth

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Drei Fragen an Prof. Dr. Michael Roth

Prof. Dr. Michael Roth ist Professor für Landschaftsplanung, insbesondere Landschaftsinformatik, an der Fakultät Landschaftsarchitektur, Umwelt- und Stadtplanung der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen. Er beschäftigt sich unter anderem mit der Entwicklung von Modellen zur Landschaftsbildbewertung. Auf dem Faktencheck referierte er über Raumplanerische Praktiken der Landschaftsbildbewertung.

Herr Professor Roth, Sie argumentieren, eine flächendeckende Landschaftsbildbewertung könnte dem Ausbau der Windenergie zu Akzeptanz verhelfen – vorausgesetzt, sie stützt sich auf Partizipation. Wie soll das funktionieren mit der Partizipation?

Das lässt sich zum Beispiel an der bundesweiten Landschaftsbildbewertung erklären, die wir gerade im Auftrag des Bundesamtes für Naturschutz entwickeln. Wir ermitteln in einem partizipativen Prozess empirisch, wie Landschaftselemente – also etwa das Vorkommen von Gewässern, die Landnutzung oder das Relief – in ihrem jeweiligen Zusammenspiel auf Betrachter wirken. Dazu lassen wir mehrere Hundert Landschaftsfotos, die repräsentativ über Deutschland verteilt sind, von der Allgemeinbevölkerung per Online-Befragung bewerten. Mit Hilfe der so erfassten Daten entwickeln wir ein statistisches Modell zum Zusammenhang zwischen Landschaftselementen und der Landschaftsbildbewertung. Grob gesagt, ergibt sich daraus so etwas wie eine Formel. Wenn wir das Modell dann flächendeckend anwenden, haben wir eine valide planerische Grundlage, um Landschaftsbildbeeinträchtigungen möglichst gering zu halten.

Inwieweit lassen sich solche flächendeckenden Landschaftsbildbewertungen bei der Standortwahl von Windenergieanlagen denn tatsächlich berücksichtigen?

Die Regionalplanung kann das Landschaftsbild auf der Basis einer validen Bewertungsgrundlage bei der Abwägung von Standortentscheidungen berücksichtigen. In Baden-Württemberg ist zum Beispiel die Albtraufkante ein Gebiet mit hoher Landschaftsbildqualität. Man kann nun Windenergieanlagen so weit zurücksetzen, dass sie vom Tal aus entweder gar nicht oder nur die Spitzen der Rotorblätter zu sehen sind.

Es gibt allerdings nur wenige großräumige, flächendeckende Landschaftsbildbewertungen. Woran liegt das?

Zum einen ist die Landschaftsbildqualität für viele Landschaftsplaner methodisch schwerer zu fassen als andere Schutzgüter. Zum anderen ist eine fachlich valide Landschaftsbildbewertung recht aufwendig. Es reicht nicht, sich mit Karten hinzusetzen und aus Expertensicht das Landschaftsbild zu bewerten. Wir modellieren den aufgeschlossenen Durchschnittsbetrachter, der ja der rechtliche Bewertungsmaßstab ist, statistisch. Insgesamt ist das Landschaftsbild ein oft stiefmütterlich behandeltes Schutzgut in Naturschutz und Landschaftsplanung. Dabei ist aber gerade für den Ausbau der Windenergie eine flächendeckende, auf homogenen Daten basierende Bewertungsgrundlage wichtig, um effizient arbeiten zu können.

 
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