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Drei Fragen an Jan Lembach

Jan Lembach ist Bürgermeister der Gemeinde Dahlem, in der der Tourismus ein wichtiger Wirtschaftszweig ist. Zuvor war er Geschäftsführer des Naturparks Nordeifel in Nordrhein-Westfalen. Lembach berichtete auf dem Faktencheck von seinen Erfahrungen mit Windkraft und Tourismus in der Eifel.

Herr Lembach, bis vor zwei Jahren waren Sie Geschäftsführer des Naturparks Nordeifel, heute sind Sie Bürgermeister der Gemeinde Dahlem. Führt das beim Ausbau der Windenergie zu einem Konflikt?

Nein, daraus ergibt sich kein Konflikt. Weder für mich noch für meine Gemeinde. Auf der Gemeindefläche Dahlems stehen drei ältere Windräder, und 15 neue Drei-Megawatt-Anlagen sind geplant und teilweise im Bau. Sie liegen im kommunalen Wald, die Gemeinde wird über Pachteinnahmen erheblich davon profitieren. Das hat sicher dazu beigetragen, dass die Planungen so eine breite Zustimmung bei den Bürgern und in der Politik erfahren. Ich gehe davon aus, dass nach dem Bau dieser Anlagen keine weiteren hinzukommen werden, und in 20 oder 25 Jahren, wenn es neue Formen der Energiegewinnung gibt, dann verschwinden die Windräder wieder, ohne nennenswert Spuren zu hinterlassen. Bei der Windenergie geht das, anders als bei der Braunkohle oder bei der Atomkraft. Das ist doch eine gute Sache.

Befürchten Sie nicht, dass die Touristen ausbleiben könnten?

Im Naturpark Nordeifel, um den Nationalpark Eifel, verteilen sich schon 150, 160 Windräder. Man hat dennoch nie das Gefühl, von ihnen umzingelt zu sein, zumal man oft durch Täler wandert, von denen aus sie gar nicht zu sehen sind. Wir haben 2012 Befragungen unter Eifel-Touristen durchgeführt, demnach tolerieren 94 Prozent der Gäste die Windkraft-Anlagen, während sechs Prozent angeben, ihretwegen nicht mehr bei uns Urlaub machen zu wollen. Das ist doch nicht viel. Künftig werden es sogar noch weniger sein, weil sich die Jüngeren ohnehin weniger an den Windrädern stören.

Aber Kleinvieh macht auch Mist. Interessieren Sie die Verdienstausfälle gar nicht?

Doch, deshalb haben wir sie berechnet: Die jährliche Brutto-Wertschöpfung durch Touristen in der Gemeinde Dahlem beträgt rund 14 Millionen Euro. Wenn sechs Prozent der Besucher wegbleiben, fehlen uns etwa 840.000 Euro. Die kriegen wir über die Pacht für den Windpark aber wieder rein. Dazu kommt, dass die Region insgesamt wachsende Besucherzahlen verzeichnet. Und wer sagt, dass die wenigen Gäste, die sich daran stören, tatsächlich wegbleiben werden? In Deutschland werden schließlich bald an vielen Orten Windräder stehen. Vor diesem Hintergrund, meine ich, haben wir keine Einbußen durch Windkraftanlagen zu befürchten.


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