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Bürgerforum Energieland Hessen in Kassel

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Faktencheck Windenergie in Hessen – nachhaltig, wirtschaftlich, versorgungssicher?

Bürgerforum Energieland Hessen in Kassel

Kassel, 16. Juni 2015. „Eine Stromproduktion, die sich in zunehmendem Maße auf Windenergie stützt, funktioniert.“ „Sie funktioniert bis auf weiteres, aber nicht ohne fossile Kraftwerke, die die ´Dunkel-Flauten´ abdecken.“ Dass es hinsichtlich der Wirtschaftlichkeit und der Nachhaltigkeit unterschiedliche Ansichten der Experten gibt und warum es sie gibt – das wurde deutlich beim „Faktencheck Windenergie in Hessen“, der im Tagungszentrum „Haus der Kirche“ in Kassel stattfand. Experten analysierten die deutsche Energiepolitik aus ökonomischer und energiepolitischer Perspektive. Kommunal- und Landespolitiker brachten ihre Erfahrungen mit der Umsetzung der Energiewende in Hessen in den Diskurs ein.

Das daraus entstandene Faktenpapier finden Sie hier.

Rund 75 Vertreter der hessischen Kommunal- und Landespolitik und Vertreter der Regierungspräsidien sowie Mitglieder von Verbänden und Experten folgten am 16. Juni der Einladung des Bürgerforums Energieland Hessen. Ziel der Veranstaltung war es, durch den Austausch von Informationen und Erfahrungen eine belastbare Diskussionsgrundlage für Politiker und Bürger vor Ort zu schaffen.

Die Impulsvorträge leiteten eine lebhafte Diskussion mit den Zuschauern ein: Dr. Patrick Graichen, Direktor von AGORA Energiewende, eines Think Tanks, der die Bundesregierung berät, machte deutlich, dass man die alte, von großen Kraftwerken geprägte Stromversorgung verlasse und auf dem Weg zu einer modernen, fluktuierenden Stromversorgung sei, die in die von Smartphones geprägte Welt passe. Prof. Dr. Helmut Alt, der von Energiewendekritikern vorgeschlagene Experte (30 Jahre bei RWE), konterte, diese neue Welt sei von Leuten beschlossen worden, die sich mit Kraftwerken nicht auskennen. Er wünsche sich, dass die Politik umschwenke zu einer von fossilen und ggf. auch nuklearen Kraftwerken getragenen Stromversorgung, denn nur so sei jederzeitige Versorgungssicherheit gewährleistet. Privatdozent Dr. Christian Growitsch, Direktor des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts, sprach sich dafür aus, die demokratisch beschlossene Energiewende ökonomisch effizienter und stärker europäisch integriert zu gestalten. Mit dem derzeitigen Vorgehen belaste man die Netze der Nachbarn, zahle zu viel Geld, reduziere die Systemstabilität und die in Deutschland eingesparten CO2-Emissionen würden kompensiert durch höhere Emissionen im europäischen Ausland . Prof. Dr. Uwe Leprich, wiss. Leiter des Instituts für ZukunftsEnergieSysteme IZES in Saarbrücken, zeigte, dass die Versorgungssicherheit nicht leidet und die volkswirtschaftlichen Kosten der Energiewende auf Dauer günstiger sind als die Kosten des alten Stromsystems. Er bestätigte die aufgrund des derzeit billigen Kohlestroms im In- und Ausland verursachten CO2-Emissionen und forderte entsprechende Maßnahmen. Uwe van den Busch, Projektleiter des Energiemonitorings bei der Hessen Agentur, beschrieb die wirtschaftlichen Effekte der Windenergie in Deutschland und wies vor allem auf die hohen Einsparungen bei den Brennstoffkosten hin.

In der zeitweise sehr engagiert geführten Diskussion ging es unter anderem um die Frage, was die Energiewende im Endausbauzustand für Hessen bedeute. 2.000 bis 2.500 Windräder und nicht etwa 4.700 oder noch mehr in Hessen – so die Klarstellung durch das Wirtschafts- und Energieministerium nach den höheren Zahlen von Vernunftkraft. Aus Sicht von Peter Stephan, energiepolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, müssen die hohen Ziele der Energiewende nicht morgen, sondern bis 2050 umgesetzt werden. Man sei mit der Zahl der gebauten, genehmigten und im Verfahren befindlichen Anlagen für das Koalitionsziel der Verdoppelung der regenerativen Stromerzeugung bis 2019 auf einem guten Weg. Wie es 2050 aussehen solle, müssten dann die nächsten Generationen entscheiden.

Exemplarisch hatten in einer Diskussionsrunde vorab vier Kommunalpolitiker die Möglichkeit, dem Plenum vorzustellen, welche Themen für ihre Gemeinde seit der Planung oder dem Bau von nahegelegenen Windrädern relevant sind. Für die Kommunen sei vor allem von Interesse, dass sie am Ausbau der Windenergie in ländlichen Regionen finanziell teilhaben können. Ebenso sahen die Politiker die Notwendigkeit, Bürger vor Ort stets aktuell über das technologische, wirtschaftliche und politische Voranschreiten der Energiewende informieren zu können. Am Ende der Veranstaltung war für die Bürgermeister klar: Trotz Kontroversen halten sie an der Energiewende fest.

Mit dem Faktencheck lieferte das Bürgerforum Energieland Hessen einen wichtigen Beitrag zur Meinungsbildung und Entscheidungsfindung in den Kommunen. Das Bürgerforum wird die Inhalte der Veranstaltung für ein Faktenpapier „Nachhaltigkeit, Wirtschaftlichkeit, Versorgungssicherheit“ aufbereiten, um es der interessierten Öffentlichkeit auf dieser Website zur Verfügung zu stellen.

Für Juli 2015 ist eine weitere Faktencheck-Veranstaltung geplant, die sich der Frage nach der betriebswirtschaftlichen Rentabilität von und der finanziellen Beteiligung von Kommunen und Bürgern an Windenergieanlagen widmen wird.

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Faktencheck Windenergie in Hessen am 16.06.2015 in Kassel

Kurzfilm (7:55 Min)

 
 

Kurzdarstellungen der Referenten

Patrick Graichen, Agora Energiewende

 

PD Dr. Christian Growitsch, HWWI Hamburg

 

Prof. Dr. Helmut Alt, FH Aachen

 

Prof. Dr. Uwe Leprich, Uni Saarbrücken

 

Uwe van den Busch, HA Hessen-Agentur