www.energieland.hessen.de

Bürgerforum zur Windenergie in Oestrich-Winkel

www.energieland.hessen.de

Bürgerforum zur Umsetzung der Energiewende vor Ort

16. Oktober 2015, 18:00-22:00 Uhr, Bürgerzentrum Oestrich-Winkel

Hier finden Sie das Programm des Bürgerforums zur Umsetzung der Energiewende in Oestrich-Winkel.

Hier finden Sie die Dokumentation aller Projekte und Ideen der Ideenwerkstatt und können weitere Ideen und Projekte einreichen

Kreative Ideen statt Windkraftwirbel in Oestrich-Winkel

Rund 85 Bürgerinnen und Bürger entwickelten am Donnerstagabend im Oestrich-Winkler Bürgerzentrum eine ganze Fülle von Ideen, wie die Energiewende vor Ort umgesetzt werden kann. Die zweite Veranstaltung des „Bürgerforums Energieland Hessen“ zeigt, dass es möglich ist, trotz gegensätzlicher Auffassungen zur Windenergie konstruktiv miteinander zu arbeiten und gute Ideen z.B. zum Energiesparen gemeinsam voranzutreiben.

Den Auftakt des zweiten Bürgerforums, das erneut vom Hessischen Wirtschafts- und Energieministerium unterstützt wurde, machte das mit Spannung erwartete Konzept der neu gegründeten Energiegesellschaft für den Rheingau-Taunus-Kreis. Dirk Gerber, Geschäftsführer der SÜWAG Grüne Energien und Wasser GmbH, erläuterte die Pläne für den kreisübergreifenden Ausbau von Erneuerbaren Energien. An der Energiegesellschaft können sich die Rheingau-Taunus Kommunen, der Landkreis sowie Bürgerinnen und Bürger finanziell beteiligen und natürlich auch von den Erträgen profitieren. „Wir stehen zu unserer Verantwortung, die Energiewende umzusetzen und suchen kreisübergreifend nach den besten Standorten für die verschiedenen Energieträger“, so Bürgermeister Michael Heil. Mitte 2015 sollen die ersten Projekte starten.

Energie-Speed-Dating

In vier Themenecken nutzten die Bürger anschließend unter der Moderation von Dr. Antje Grobe und ihrem Team von DIALOG BASIS die Gelegenheit, in einem Energie-Speed-Dating direkt mit den Experten zu Blockheizkraftwerken und Kraft-Wärme-Kopplung, Biomasse, Solarinitiativen und Wasserkraft zu diskutieren. Immer wieder wurde hierbei gefragt, welche Aktivitäten vor Ort in Oestrich-Winkel umgesetzt werden könnten.
Eine ausführliche Dokumentation der Themenecken finden Sie hier.  

Ein Schritt in die Zukunft: Blockheizkraftwerke in Oestrich-Winkel

Blockheizkraftwerke und Kraft-Wärme-Kopplung standen im Fokus der Themenecke von Jonas Kilz, SÜWAG AG, der die Potenziale für Oestrich-Winkel beleuchtete: Diese würden von Einfamilienhäusern bis hin zu Quartierskraftwerken reichen. Auch die Nachrüstung bestehender Siedlungen ist möglich. Am Beispiel des Quartierskraftwerks in Kelsterbach erläuterte er die Anlage einer Neubausiedlung mit Einfamilien- und Reihenhäusern. Für Oestrich-Winkel schlug ein Bürger die Bündelung von Kräften und Zusammenschlüsse zwischen Nachbarn vor. Beratung hierzu könnte wiederum die SÜWAG AG mit ihrem lokalen Netz an Installateuren anbieten.

Biomasse: Noch viel heiße Luft nach oben

Zuversichtlicher äußerte sich Manfred Vogel, Geschäftsführer des Kompetenzzentrum Erneuerbare Energie Rheingau-Taunus e.V. (KEE): „In Oestrich-Winkel sind die Potentiale der Wärmeproduktion aus „trockener“ Biomasse noch lange nicht erschöpft“, betonte der Experte und verwies vor allem auf kleine, dezentrale Heizanlagen für Holzhackschnitzel oder Pellets. Sowohl das KEE als auch die Heizungsbauer vor Ort können Interessierten hier beratend zur Seite stehen. Kreisübergreifend ist der Bedarf an Biomasseanlagen für die Stromproduktion mit der bestehenden Anlage in Heidenrod bereits gut abgedeckt. Ausbaufähig dagegen seien die Nah- oder Fernwärmenetze.

Bürgersolarinitiativen: Speicher machen den Unterschied

In der Themenecke zu Photovoltaik standen Bürgersolarinitiativen und Potentiale im Fokus der Diskussion. Gemeinsam mit Nobert Wolter, Geschäftsführer der BürgerSolar Eltville GmbH & Co KG wurden sehr praktische Fragen wie Dach- und Anlagengröße, Statik und Schattenwurf von Photovoltaikanlagen thematisiert. Reges Interesse bekundeten die Teilnehmenden auch an Beteiligungsmöglichkeiten und Erlösen der Solarinitiativen. Vor allem durch die inzwischen deutlich verlängerte Lebensdauer, neue Speichereinheiten und verschiedene Förderprogramme seien Photovoltaik-Anlagen rentabler denn je, so Wolter.

Strom-Bojen im Rhein als Hoffnungsträger

Über besonders großen Zulauf konnte sich die Themenecke der Strom-Bojen Mittelrhein UG freuen. Christian Hanne und Norbert Burkhart (beide Geschäftsführer) erläuterten die Funktionsweise der Stromturbinen, die in Reihen hintereinander gehängt werden können. Die Anlagentechnik ist zwischenzeitlich zugelassen und wird in der Donau seit zwei Jahren erfolgreich erprobt. Allerdings wären etwa 22 Stück der 6 Tonnen schweren Turbinen nötig, um ein Windrad zu ersetzen, so Hanne auf eine Bürgerfrage. Stromabwärts des Binger Lochs befinden sich gute Standorte mit einer entsprechenden Fließgeschwindigkeit des Rheins, so dass die Anlagen hier wirtschaftlich betrieben werden könnten. In Oestrich-Winkel ist der Rhein hierfür zu breit und fließt nicht schnell genug.

Intelligent verbrauchen!

Prof. Dr. Jens Strüker, Experte für Energiemanagement von der Hochschule Fresenius, gab einen Einblick in die Zukunft vernetzter Energieinformationen. Über das Handy könne heute schon die Raumtemperatur zuhause gesteuert und so unnötige Heizkosten vermieden werden. Er prognostizierte ähnlich wie bei Internetplattformen zur Nutzung von Wohnungen oder Produktionsüberschüssen neue Nutzerportale für eine effizientere Energieausnutzung. Am Beispiel eines Münchener Energieerzeugers und vernetzter Brauereien erklärte er, dass alle Partner davon profitieren können, wenn der Strom aus Erneuerbaren Energien verbraucht wird, wenn er anfällt.

Schüler machen vor wie´s geht

In der nachfolgenden Bürger-Ideenwerkstatt bekamen drei Schüler der Rheingau-Schule mit ihrem Lehrer Norwin Terfoort großen Applaus. David Leonardo Singo, David Klein und Vanessa Schork, stellten zusammen Projekte zum Thema Energiesparen und Energieeffizienz ihrer Schule vor. Im Projekt 50:50 haben sie sich z.B. das Ziel gesetzt, 50 Prozent Strom einzusparen und von dem gesparten Geld 50 Prozent in Energiesparmaßnahmen wie LED-Beleuchtung zu investieren. Energiewächter sorgen in den Klassenzimmern, ähnlich wie der Tafeldienst für intelligentes Lüften und Heizen. Bewegungssensoren schalten das Licht aus, wenn keine Schüler auf den Fluren sind. Die erst vierzehnjährigen Energieexperten machten vor, was demnächst auch im Oestrich-Winkler Bürgerzentrum mithilfe eines elektronischen Energiesteuerungssystems umgesetzt werden soll: das systematische analysieren und vermeiden von unnötigen Energieverbräuchen. Bessere Botschafter für die Sache der Energiewende hätte sich das Bürgerforum nicht wünschen können.

Unternehmen bieten Unterstützung an

Die Ideen der Schülerinnen und Schüler fanden regen Anklang und gleich auch aktive Unterstützer. Die Oestricher Buchhandlung Idstein sponserte Büchergutscheine, die Rabanus Apotheke stellte einen Geldpreis von 100 Euro in Aussicht für weitere Schülerprojekte. Auch die Nassauische Sparkasse und die Rheingauer Volksbank eG bieten ihre Unterstützung z.B. für CO2-Wettbewerbe oder Energie-Aktionen an. Es können also noch Projekte anderer Klassen, Schulen oder Bildungseinrichtungen, Kirchengruppen oder Vereinen eingereicht werden.

Handwerker an den Tisch

Verschiedenen Handwerksunternehmen wie z.B. die Firma Sterzel Elektroinstallationen boten sich an, mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Fortbildungsveranstaltungen und ein Erfahrungsaustausch wurden angeregt. Auch die SÜWAG unterstützt mit ihrem Handwerkernetzwerk den Austausch zwischen den Gewerken und stellt regionale Ansprechpartner zur Verfügung. Die Firma Lumen Deutschland bot an, Einsparpotenziale von LED-Beleuchtung für Unternehmen zu berechnen und Finanzierungen vorzuschlagen.

Ein „Kümmerer“ von der Stadt

Weitere Ideen gab es mehr als genug: eine Kinder- und Jugendfreizeit der Rheintalnomaden zur Umsetzung der Energiewende vor Ort wurde angeregt. Mehr LEDs sollen in öffentlichen Gebäuden und in der Straßenbeleuchtung eingesetzt werden und öffentliche Liegenschaften auf Einsparpotenziale geprüft werden. Bürgermeister Heil sicherte zu, diese Anregungen zu prüfen und einen Mitarbeiter mit deren weiterer Verfolgung zu beauftragen. Dr. Jürgen Hoffmann, Mitglied des Solarstammtisches in Geisenheim, schlug einen Runden Tisch oder Energiebeirat auch für Oestrich-Winkel vor. Erste Unterstützer für einen solchen Beirat waren bereits im Saal.

Weitere Ideen können auch persönlich gemeldet werden oder bei Frau Uta Bigus, Magistrat der Stadt Oestrich-Winkel, unter Telefon: 06723 992 150 oder per Fax: 06723 992159.