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Bürgerforum zur Windenergie in Oestrich-Winkel

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Bürgerforum zur Windenergie in Oestrich-Winkel

8. Oktober 2014, 18:00-22:30 Uhr, Turnhalle der Reformschule Rheingau

Hier finden Sie das Programm des Bürgerforums zur Windenergie in Oestrich-Winkel.

Hier finden Sie die Dokumentation der Podien und Vorträge.

Hier finden Sie die Dokumentation der Bürgerfragen.

Konstruktive Debatte um die Windenergie in Oestrich-Winkel

OESTRICH-WINKEL 08. Oktober 2014. Rund 250 Bürgerinnen und Bürger folgten mit großem Interesse der Visualisierung von Windrädern und den Diskussionen um die Auswirkungen auf die Kulturlandschaft. Schwarzstörche und Rotmilane werden einige Anlagenstandorte vermutlich einschränken. Am 16. Oktober findet eine zweite Veranstaltung zum Energie-Mix und zum Energieeinsparen statt.

Bürgermeister Michael Heil, CDU, hatte sich zur Begrüßung am Mittwochabend einen sachlichen Austausch trotz aller Kontroversen gewünscht: „Wir haben ein ausgewogenes Programm und ich freue mich, dass wir vor dem anstehenden Bürgerentscheid am 07. Dezember Gelegenheit haben, viele offene Fragen zu klären“, so Heil. Auch wenn es Viele kaum für möglich gehalten hatten, es wurde eine konstruktive Diskussion um das Für und Wider der Windenergie in Oestrich-Winkel.

Dr. Justus Brans vom hessischen Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung begrüßte im Namen der Landesregierung: „Wir müssen auch in Hessen Verantwortung für die Energiewende übernehmen. Zwei Prozent der Landesflächen, wurden als Vorranggebiete für die Windenergie ausgewiesen. Die übrigen 98 Prozent sollen frei bleiben“. Er verwies darauf, dass erhebliche Anstrengungen notwendig seien, um von den bestehenden 780 Anlagen bis zum Jahr 2050 auf über 2000 Anlagen zu erhöhen. „Es macht keinen Sinn, hier immer auf andere zu verweisen, wir müssen selbst etwas tun und diese 2 Prozent auch nutzen, wenn wir unser gemeinsames Ziel erreichen wollen“, schloss Dr. Brans.

Visualisierungen vermitteln ein realistisches Bild

Die mit Spannung erwartete Visualisierung der Windräder hatte zunächst mit den Lichtverhältnissen im Raum kämpfen. Der blaue Himmel erschien in der Projektion fast grau, so dass die Anlagen kaum zu sehen waren. Die Stadtverordnetenversammlung hatte auf den Windvorrangflächen hinter dem Taunuskamm insgesamt 12 mögliche Anlagenstandorte identifiziert, die visualisiert wurden, um den Bürgerentscheid am 07. Dezember mit vorzubereiten.

Das 3-D-Visualisierungsprogramm des Fraunhofer Instituts für Grafische Datenverarbeitung (IGD) berechnete auf Basis des Geodatensatzes des Rheingaus maßstabsgerecht die Größe von Windenergieanlagen. Auf Anregung der Bürgerinitiative Pro Kulturlandschaft e.V. wurden dabei nicht nur Panoramaansichten mit Weitwinkel gezeigt, sondern auch Normalansichten, die der Wahrnehmung des menschlichen Auges sehr nahe kommen. Die Visualisierung von Ralf Gutbell startete am Parkplatz des Bürgerzentrums, ließ die Zuschauer in der Panoramaansicht über den Rheingau fliegen, machte Halt an zentralen Orten wie dem Oestricher Kran, bei beliebten Weinständen wie dem „Schwarzen Häuschen“ oder am Ortsrand von Hallgarten. Die Fraktionsvorsitzenden Dieter Vogel, CDU, Christel Hoffmann, SPD, Björn Sommer, FDP, und Klaus Bleul, Bündnis 90/Die Grünen kommentierten die Bilder und nutzten die Gelegenheit ihre Position pro und contra Windenergie zu verdeutlichen.

Ort: Sportplatz Winkel; Öffnungswinkel (vertikal): 17°; Öffnungswinkel (horizontal): 30°; Höhe über Grund: 1,80m
Ort: Sportplatz Winkel; Öffnungswinkel (vertikal): 17°; Öffnungswinkel (horizontal): 30°; Höhe über Grund: 1,80m


Differenzierte Debatte um den Denkmalschutz

Prof. Dr. Gerd Weiß, Präsident des Amtes für Denkmalpflege in Hessen, hatte in einer Stellungnahme im Mai einen Prüfradius von 10-20 Km um jedes der Kulturdenkmäler des Rheingaus vorgeschlagen. Die Visualisierung zeigte nun, dass vom Rheinufer aus, rund um Schloss Vollrads und Kloster Eberbach die Anlagen gar nicht oder nur als eine Flügelspitze zu sehen sind. Auch der Blick von Schloss Johannisberg auf den Rhein würde nicht verstellt. Allerdings wären vier Anlagen zu sehen, wenn man mit dem Rücken zum Schloss in Richtung Taunus blickt. Matthias Bergmeier vom Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung erläuterte, dass nach dem hessischen Energiezukunftsgesetz alle Behörden verpflichtet sind, die Energiewende mitzutragen. Er bestätigte, dass die Auswirkungen auf die Kulturlandschaft im Einzelfall vom Regierungspräsidium zu prüfen sind und lehnte großräumige Pufferzonen ab. Ganz anderer Meinung war hier Dr. Wolfgang Dertz von der Bürgerinitiative Pro Kulturlandschaft Rheingau. Er sprach von einer unwiederbringlichen Zerstörung seiner Heimat. Dem wiedersprach Dr. Reinhard Lehnen von der Arbeitsgemeinschaft Energie-Zukunft-Rheingau erwartungsgemäß. Seiner Ansicht nach seien die Anlagenstandorte klug gewählt und die Windenergie-Anlagen vollständig rückbaubar.

In der späteren Diskussion merkte Bürgermeister Heil an, dass ca. Zweidrittel der Vorrangflächen bisher noch gar nicht betrachtet seien. Dies seien gerade die höhergelegenen, windhöffigeren Flächen aus dem ersten Kamm und südlich davon. Herr Heil machte deutlich, dass zur Erreichung der energiepolitischen Ziele des Landes eine möglichst große Ausnutzung der Vorrangflächen notwendig sei, daher müssen genau diese Flächen zur objektiven Bewertung auch betrachtet werden. Erst dann könnten abschließende Aussagen zur Thematik der Beeinflussung des Landschaftsbildes getroffen werden.

Schwarzstorch mit Jungvögeln am Ort

Auch das Podium zum Arten- und Naturschutz wurde mit großer Aufmerksamkeit verfolgt. In über 30 Vorgesprächen war die Moderatorin Dr. Antje Grobe, DIALOG BASIS, ersten Hinweisen auf Schwarzstörche im 3 km Umkreis der möglichen Anlagenstandorte in der Nähe von Stefanshausen nachgegangen. In Gesprächen mit dem Forstamtsleiter Hans–Ulrich Dombrowsky und Ingo Hausch von der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie e.V. wurden diese Hinweise verdichtet. Beide schlossen Anlagen in diesem Umkreis auf dem Podium aus. „Dieses Wissen vor Ort ist gerade in einer frühen Planungsphase sehr wertvoll“, kommentierte Grobe und dankte allen Beteiligten inklusive den Jagdpächtern für ihr Vertrauen. Dr. Jürgen Hoffmann, NABU Rheingau, und Malte Fuhrmann, Arbeitsgemeinschaft Fledermausschutz in Hessen, gingen darauf ein, dass unter Umständen auch die verbleibenden Anlagenstandorte zugunsten von Vögeln und Fledermäuse optimiert werden müssten. Dies werde in aufwändigen Verfahren vom Regierungspräsidium geprüft. Als weiterer Lösungsweg  werde mit Abschaltalgorithmen gearbeitet, z.B. in Zeiten des Kranichzuges oder zu bestimmten Zeiten, in denen Fledermäuse besonders aktiv sind. Die Betreiber müssten hier allerdings mit ca. 5 % Einbußen bei der Wirtschaftlichkeit rechnen.

Klimaveränderungen für den Weinbau prüfen

Ein weiteres wichtiges Argument gegen die Windenergieanlagen müsste noch geprüft werden: Die Winzer befürchten, dass es zu Klimaveränderungen aufgrund kalter Fallwinde kommen könnte, wenn die Anlagen wie ursprünglich einmal diskutiert an der vorderen Hangkante zu einem Waldeinschlag führen würden. Gerhard Eser, Vorsitzender des Weinbauvereins Oestrich e.V., betonte: „Wir leben hier vom Weinanbau und dem Tourismus. Das liegt mir am Herzen und wir müssen ausschließen, dass es zu Beeinträchtigungen kommt.“ Hierfür erntete er viel Applaus vom Publikum. Die Moderatorin regte daraufhin an, die Agrarhochschule Geisenheim um eine Einschätzung zu bitten, ob auch mit negativen Auswirkungen zu rechnen sei, wenn die Anlagen, wie jetzt visualisiert, hinter dem Taunuskamm stünden.

Zuwegung, Brandschutz und Wirtschaftlichkeit

In den offenen Bürgerfragen kamen noch weitere Aspekte wie der Flächenverbrauch, Auswirkungen auf Quellgebiete, Auswirkungen auf das Rotwild, Pachtminderungen für die Jagdpächter und das Themenfeld der Wirtschaftlichkeit zur Sprache. Neben Frank Heuser von der Land+Forst Erneuerbare Energien GmbH, der zu den technischen Fragen Rede und Antwort stand, schalteten sich hier noch einmal die Podiumsgäste mit ein. In einer fairen und offenen Diskussion wurde zwischen möglichen Schäden und Nutzen von Windenergie abgewogen.

Hier finden Sie die Dokumentation der Bürgerfragen.

Die Präsentationen zur Veranstaltung finden Sie in der rechten Download-Box.