www.energieland.hessen.de

Presse

www.energieland.hessen.de

Energetische Quartiersanierung

Wie kleine oder finanzschwache Kommunen Lösungen für mehr Energieeffizienz entwickeln und umsetzen können, das soll ein Pilotprojekt zeigen, das im Werra-Meißner-Kreis durchgeführt wird. „Um eine sichere, nachhaltige und bezahlbare Stromversorgung garantieren zu können, müssen wir den Energieverbrauch senken, etwa durch besser gedämmte Gebäude oder ein effizientere Versorgungsinfrastruktur“ sagte Wirtschafts- und Energieminister Tarek Al-Wazir heute in Herleshausen. „Dabei ist es meist sinnvoll, sich zusammenhängende Quartiere anzuschauen und nach umfassenden Lösungen zu suchen.“
 
Ein energetisches Quartierskonzept untersucht dafür systematisch die örtlichen Voraussetzungen und zeigt mögliche Maßnahmen auf. Ziel ist es, den Energieverbrauch zu reduzieren und verstärkt Erneuerbare Energien einzusetzen. „Viele Kommunen sind jedoch nicht in der Lage, ein solches Konzept alleine zu erstellen und umzusetzen“; erklärte der Minister. „Deswegen geht dieses Projekt neue Wege.“

Kommunen unterstützen Konzeption und Umsetzung

Die am Modellprojekt beteiligten Kommunen Eschwege, Großalmerode, Witzenhausen, Herleshausen, Meißner und Ringgau haben aufgrund ihrer Haushaltssicherungskonzepte keine Ressourcen für freiwillige Maßnahmen wie kommunale Wärme- und Energiekonzepte. Der Kreis ist daher koordinierend tätig und unterstützt mit der kreiseigenen Werratal Energie- und Umweltgesellschaft mbH (WEGE) die sechs Kommunen administrativ und fachlich bei der Erstellung der Konzepte und bei der späteren Umsetzung.
 
Im Fokus steht dabei die Entwicklung gemeinsamer Effizienz-, Versorgungs- und Sanierungslösungen, zum Beispiel Nahwärmenetze und Kraft-Wärme-Kopplung. So wird beispielsweise in Herleshausen untersucht, wie die Kerngemeinde zentral mit Wärme aus Biomasse der umliegenden Region versorgt werden könnte. 
 
Neben dieser interkommunalen Zusammenarbeit ist eine weitere Besonderheit des Projekts, dass neue Finanzierungs- und Betreiberformen für die Energiewende im ländlichen Raum erprobt werden sollen. Über 17 Partner, von Energieversorgungsunternehmen über Sparkassen und Raiffeisenbanken bis hin zu Energiegenossenschaften, haben sich bereits zur Unterstützung der energetischen Quartierskonzepte in den sechs Kommunen zusammengetan. 

Land und KfW übernehmen Kosten

Minister Al-Wazir betonte, dass die Energiewende ein Marathon- und Mehrgenerationenprojekt sei. „Umso wichtiger ist es, dass wir Kurs halten.“ Er verwies auf die seit 1. Januar geltende neue hessische Energie-Förderrichtlinie, die unter anderem  eine Unterstützung für kommunale und interkommunale Energiekonzepte für Wind- und Solarparks, Nahwärmelösungen oder Quartierssanierungen beinhaltet.  
 
Ebenso werden Energieberatungsstellen und die energetische Sanierung öffentlicher Gebäude unterstützt. „Eine weitere Förderung betrifft die Umrüstung der Straßenbeleuchtung auf energiesparende LEDs – dafür stellen wir in diesem Jahr vier Mio. Euro bereit. LEDs können den Stromverbrauch für die Beleuchtung in den Kommunen um 60 bis 80 Prozent verringern“, betonte der Minister. „Wir wollen alles dafür tun, dass die Energiewende zu einem wirtschaftlichen Erfolg wird – gerade auch im ländlichen Raum.“
 
Um die Erstellung des Konzepts in der strukturschwachen Region im Werra-Meißner-Kreis zu ermöglichen, trägt das Land in dem Pilotprojekt die Kosten gemeinsam mit der bundeseigenen Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Die KfW übernimmt im Rahmen des Programms „Energetische Stadtsanierung“  65 Prozent; das Land stockt diese Grundförderung um weitere 30 Prozent auf. Die Gesamtkosten liegen bei 360.000 Euro. Für das Modellprojekt im Werra-Meißner-Kreis laufen derzeit die Vor-Ort-Erhebungen in den Quartieren. Das Quartierskonzept soll im Herbst 2016 vorliegen.