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Al-Wazir stellt Energie-Monitoringbericht vor

Wirtschafts- und Energieminister Tarek Al-Wazir hat am Montag den ersten hessischen Energie-Monitoringbericht vorgestellt. „Damit liegt nun erstmals ein umfassender Überblick über den Stand und die Effekte der Energiewende in Hessen vor“, so Al-Wazir in Wiesbaden. Der Bericht sei eine Bestandsaufnahme für das Jahr 2014, für den Ausbau der Erneuerbaren Energien bis zur Jahresmitte 2015. „Der Bericht gibt damit wichtige Anhaltspunkte, in welchen Bereichen die Energiewende ihre gewünschte Dynamik bereits entfaltet und an welchen Punkten nachgesteuert werden muss. Von der Energieversorgung und Energieeffizienz über Netze und Verkehr bis hin zu Treibhausgasemissionen und den gesamtwirtschaftlichen Effekten für Kosten, Preise und Beschäftigung umfasst der Monitoringbericht die zentralen Bereiche der Energiewende.“

Energieeinsparung / Energieeffizienz

Al-Wazir: „Die Richtung stimmt, das Tempo noch nicht. Die Einsparungen sind gelungen, obwohl die Wirtschaft brummt. Das zeigt: Wirtschaftliche Entwicklung ist auch ohne steigenden Energieverbrauch machbar, die Entkoppelung von Wirtschaftswachstum und Ressourcenverbrauch ist möglich.“

Die wichtigsten Ergebnisse im Überblick:

  • Der gesamte Energieverbrauch in Hessen hat sich in den vergangenen 15 Jahren um etwa 10 Prozent verringert. Betrachtet man den Endenergieverbrauch von Unternehmen, privaten Haushalten und dem Verkehrssektor zusammen, lag der Verbrauch im Jahr 2014 um 23,6 TWh unter dem Verbrauch im Jahr 2000.
  • Hessische Unternehmen sind für knapp 30 Prozent des Energieverbrauchs in Hessen verantwortlich. Dabei gehen sie über die Jahre effizienter mit der eingesetzten Energie um. Heute wird mit dem gleichen Energieeinsatz knapp 30 Prozent mehr erwirtschaftet als vor 15 Jahren.
  • Privathaushalte verbrauchen heute knapp 20 Prozent weniger Energie als noch vor 15 Jahren. 
  • Mit fast 50 Prozent fällt der größte Anteil am Energieverbrauch in Hessen weiter auf den Verkehr. Hessen ist dort in einer Sondersituation, weil es sowohl Transitland als auch Standort des größten deutschen Flughafens ist.
  • Zwischen 2009 und Juli 2015 hat sich die Anzahl der PKW mit Elektroantrieb mehr als verzehnfacht auf zuletzt 1.426 Fahrzeuge. In den vergangenen beiden Jahren wurden zudem 130 neue Ladestationen errichtet.
  • Die gesamtwirtschaftliche Stromproduktivität (reales BIP / Bruttostromverbrauch) im Jahr 2014 ist gegenüber dem Vorjahr um 3,5 Prozent gestiegen. Mit Blick auf die Entwicklung der vergangenen 15 Jahre wird die Tendenz noch deutlicher. Im Jahr 2000 wurden mit dem Einsatz von 1 MWh Strom rund 5910 Euro erwirtschaftet, im Jahr 2014 waren es bereits 6750 Euro.

Die Landesregierung hat zur weiteren Steigerung der Energieeffizienz eine Energie-Agenda 2015 mit konkreten Angeboten, insbesondere an Unternehmen und Kommunen, vorgestellt.

Ausbau Erneuerbare Energien

Al-Wazir: „Der Ausbau in Hessen hat deutlich an Dynamik gewonnen. Umso wichtiger ist es, dass der Bund die Rahmenbedingungen nicht einseitig zu Ungunsten der windschwächeren Bundesländer verändert. Nur ein ausgewogener Ausbau der Windenergie erlaubt einen effizienteren Netzausbau, sorgt für eine gleichmäßig über das Bundesgebiet verteilte Wertschöpfung sowie eine gerechtere Lastenteilung und er leistet einen Beitrag zur Versorgungssicherheit, weil die Windstromerzeugung aufgrund der meteorologischen Abhängigkeit breiter gestreut wird.“

Die wichtigsten Ergebnisse im Überblick

  • Über 5,3 Terawattstunden Strom wurden in Hessen im vergangenen Jahr mit Erneuerbaren Energien erzeugt.
  • Bei der Stromerzeugung aus EEG-geförderten Anlagen liegen der Vogelsbergkreis (13% der hessenweiten EE-Produktion) und der Landkreis Waldeck-Frankenberg (10%) hessenweit an der Spitze.
  • Erstmals gibt es in Hessen mehr als 100.000 Photovoltaik-Anlagen. Besonders hohe Anteile an Photovoltaik-Strom haben der Landkreis Kassel und der Landkreis Schwalm-Eder.
  • Seit Januar 2014 bis zum 1. Halbjahr 2015 wurden netto 92 Windenergieanlagen mit einer installierten Leistung von rund 274 MW zugebaut. Damit hat sich die installierte Leistung seit dem Regierungswechsel um über 30 Prozent erhöht.
  • Die installierte Leistung von EEG-geförderten Anlagen betrug Ende 2014 rund 3.200 Megawatt. Davon entfallen 55% auf Photovoltaik, 34% auf Windenergie und 8% auf Biomasse.
  • Aktuell befinden sich in Hessen 472 Windenergieanlagen mit einer geplanten Leistung von 1.316 MW im Genehmigungsverfahren.
  • Der Anteil der Erneuerbaren Energien am Stromverbrauch lag 2014 bei 14,4 Prozent und damit annähernd doppelt so hoch wie noch im Jahr 2010.
  • Der Anteil der Erneuerbaren Energien am Wärmeverbrauch konnte in den vergangenen 15 Jahren mehr als verdoppelt werden - von 3,8 TWh im Jahr 2000 auf 8,7 TWh im Jahr 2014. Dominierend ist der Energieträger Biomasse mit einem Anteil von zuletzt 77 Prozent.

Gesamtwirtschaftliche Effekte

  • Durch den Einsatz Erneuerbarer Energien konnten im vergangenen Jahr 6,8 Millionen Tonnen CO2-Ausstoß vermieden werden. Zum Vergleich: Im Jahr 2000 waren es lediglich 1,9 Millionen Tonnen.
  • Hessen ist zusammen mit Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg einer der größten Nettozahler bei der EEG - Umlage. Im Saldo betrug der Mittelabfluss im Jahr 2014 1,15 Mrd. Euro. Nur mit einem konsequenten Ausbau der Erneuerbaren in Hessen lässt sich dieses Defizit verringern.
  • Die Zahl der EEG-befreiten Unternehmen in Hessen ist von 38 im Jahr 2010 auf 135 im vergangenen Jahr angestiegen. Dies ging mit einer Verdoppelung der privilegierten Strommenge von 4,1 TWh auf 8,4 TWh einher. Das war mit Ausnahme von Rheinland-Pfalz der höchste Anstieg aller Bundesländer.
  • Im Wirtschaftsbereich Erneuerbare Energien waren in Hessen im Jahr 2013 rund 20.000 Personen tätig. Der vorrangegangene Abbau an Arbeitsplätzen war vor allem auf die wirtschaftlichen Schwierigkeiten von SMA in Kassel zurückzuführen. Die Situation des Unternehmens hat sich zuletzt wieder deutlich verbessert.

Bundesweite Entwicklungen

  • Im Vergleich zu den allgemeinen Lebenshaltungskosten sind die Ausgaben der privaten Haushalte für Energie generell seit dem Jahr 2000 sehr viel stärker angestiegen. Das betrifft insbesondere die Stromkosten.
  • Die Strompreise für Privathaushalte sind seit dem Jahr 2000 von knapp 14 Cent / kWh auf 29,14 Cent / kWh im Jahr 2014 gestiegen. Im Jahr 2015 ist der Strompreis für Endverbraucher erstmals wieder leicht gesunken.
  • Im europäischen Vergleich haben nur Dänemark und Luxemburg geringere Stromausfallzeiten als Deutschland. Die Versorgungssicherheit in Hessen erscheint derzeit auch bei Ausfall des Großkraftwerkes Staudinger Block V nicht gefährdet.

Zur Methodik

Die Berichterstattung erfolgt faktenbasiert auf Basis energiestatistischer und ökonomischer Kennzahlen. Die Auswahl der Indikatoren erfolgte in enger Anlehnung an das Monitoring des Bundes. Zentrale Grundlage des Berichtssystems ist die amtliche Energiestatistik sowie weitere verfügbare energiestatistische Informationen, u.a. aus einer Schätzprognose des Leipziger Instituts für Energie (IE Leipzig).

https://wirtschaft.hessen.de/presse/pressemitteilung/al-wazir-energiewende-nimmt-fahrt-auf-verbrauch-sinkt-obwohl-wirtschaft