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Bundesrat für hessische Initiative


Energiewende

Bundesrat für hessische Initiative zur Ertüchtigung der Stromnetze
Al-Wazir: Am Atomausstieg darf nicht gerüttelt werden


Wiesbaden, 27. April 2018


Auf Antrag Hessens hat der Bundesrat die Bundesregierung am Freitag aufgefordert, die Stromnetze nicht nur auszubauen, sondern auch die bestehenden Leitungen kurzfristig zu optimieren. Ziel ist es, mehr Kapazitäten für Erneuerbare Energien zu schaffen und gleichzeitig die Kosten für Netzstabilisierungsmaßnahmen zu begrenzen, wie Hessens Wirtschafts- und Energieminister Tarek Al-Wazir erläuterte: „Der Stromnetzausbau ist völlig aus dem Zeitplan geraten. Suedlink wird nicht fertig sein, wenn im Jahr 2022 das letzte AKW vom Netz geht. Es darf nicht sein, dass diese Situation dann eventuell als Argument für einen Weiterbetrieb der Atomkraft benutzt würde.“

Der hessische Antrag listet konkrete Vorschläge zur Optimierung und besseren Auslastung der bestehenden Netze auf. Er verlangt von der Bundesregierung, unverzüglich gemeinsam mit den Übertragungsnetzbetreibern und aufbauend auf deren bisherigen Planungen weitere geeignete Trassen für den Einsatz von Freileitungsmonitoring und Hochtemperaturleiterseilen zu identifizieren und dafür Sorge zu tragen, dass die für einen umfassenden Einsatz dieser Technologien erforderlichen Informations- und Kommunikationstechnologien schnellstmöglich installiert werden. Um einen zeitnahen Einsatz dieser Technologien zu ermöglichen, sollten die erforderlichen Planungs- und Genehmigungsprozesse entsprechend gestrafft beziehungsweise vereinfacht werden.

„Die Bundesregierung kann jetzt nicht weiter die Augen verschließen“, sagte Al-Wazir. „Sie muss endlich zeigen, ob sie zur Energiewende steht oder nicht. Schon jetzt führen die Verzögerungen beim Netzausbau dazu, dass immer mehr Geld ausgegeben wird, um Windräder abzuregeln und Netze zu stabilisieren. Mit der Ertüchtigung der bestehenden Netze lässt sich das Problem einfach, schnell und kostengünstig lösen.“

Windenergie
Mythen & Wahrheit


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Hintergrund: Stromnetze und Netzengpässe

Mit der zunehmenden Anzahl von dezentralen Erneuerbaren-Energien-Anlagen verändern sich die Anforderungen an die die Planung und den Betrieb insbesondere der Übertragungsnetze erheblich. Die historisch gewachsene Netzstruktur, die auf der Einspeisung zentraler Großkraftwerke beruhte, wird der durch einen flächigen Zubau von Erneuerbare-Energien-Anlagen und dadurch bedingter Verlagerung der Erzeugungsschwerpunkte nicht mehr gerecht. Um die Erzeugung und den Verbrauch von Strom über große Entfernungen auszugleichen und die Leistungsfähigkeit des Übertragungs-netzes insgesamt zu erhöhen, ist ein schnellstmöglicher Ausbau des Übertragungsnetzes und damit eine Realisierung der im Energieleitungsausbaugesetz und im Bundesbedarfsplangesetz aufgeführten Netzausbauvorhaben dringend erforderlich.

Netzengpässe entstehen, wenn ein Betriebsmittel (das kann beispielsweise eine Leitung oder ein Transformator sein) den notwendigen Leistungsbedarf nicht übertragen kann. Ausschlaggebend sind dabei insbesondere physikalische Grenzen wie etwa die mit steigendem Stromfluss ansteigende Temperatur des Betriebsmittels. Die Erwärmung eines Leiterseils etwa führt zu dessen Verlängerung und dies wiederum zu einem starken Durchhang bei Freileitungen. Diese thermische Grenze kann durch den Einsatz von Hochtemperaturleiterseilen, die auch bei starker Erwärmung nur eine geringfügige Längenveränderung aufweisen, erheblich angehoben werden, sodass die Übertragungskapazität um bis zu 100 Prozent erhöht werden kann. Die Übertragungsleistung ist zudem von weiteren, externen Faktoren wie Umgebungstemperatur oder der Windgeschwindigkeit abhängig. Die nach einer DIN-Norm erfolgende Berechnung der maximalen Strombelastung legt für diese Faktoren starre Werte zugrunde, die im tatsächlichen Betrieb häufig erheblich unterschritten werden. Mit einem Freileitungsmonitoring können die Temperatur oder Durchhang oder Witterungsbedingungen vor Ort erfasst werden und so die maximal zulässige Strommenge dynamisch angepasst werden.

Zudem kann durch Lastflusssteuerung mittels Querregeltransformatoren Strom von einer überlasteten auf eine nicht ausgelastete Leitung verlagert werden. So können auch lastfluss-steuernde Elemente wie Phasenschieber beziehungsweise Querregeltransformatoren einen kurzfristigen Entlastungseffekt bewirken, deren Potentiale und Einsatzmöglichkeiten von der Bundesregierung zu prüfen sind.


Wolfgang Harms / Pressestelle
Hessisches Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung
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