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Neue Roadmap Energie vorgestellt


Energiewende in Hessen

NEUE ROADMAP ENERGIE VORGESTELLT
AL-WAZIR: ENERGIEWENDE WIRD DIGITALER UND VERNETZTER


Wiesbaden, 17. April 2018


Die Energiewende in Hessen wird digitaler und vernetzter. „Es war richtig und wichtig, dass wir in den letzten Jahren einen klaren Fokus auf den Ausbau von Wind- und Sonnenenergie in Hessen gelegt haben“, sagte Wirtschafts- und Energieminister Tarek Al-Wazir am Dienstag in Wiesbaden. „Und wir waren dabei sehr erfolgreich: Wir haben Hessen vom Schlusslicht beim Ausbau der Erneuerbaren Energien in die obere Tabellenhälfte geführt und allen gezeigt: Hessen kann Energiewende.“

Entscheidend dabei war die konsequente Umsetzung der „Energie-Agenda 2015“, die vor drei Jahren neuen Schwung in die Energiewende in Hessen gebracht hat. „Wir haben damit das umfassendste Programm zur Energieeinsparung, Effizienz und Ausbau der Erneuerbaren Energien aufgelegt, das es in Hessen je gegeben hat“, so der der Minister. „Wir wollten Energie einsparen, Effizienz erhöhen und den Ausbau voranbringen. Das Ergebnis zeigt: Die „Energie-Agenda 2015“ hat gewirkt. Und sie wirkt weiter.“


BILANZ ENERGIE-AGENDA


ENERGIEEFFIZIENZ & EINSPARUNG

Al-Wazir: „Die Energiewende kann nur gelingen, wenn wir mit Strom und Wärme deutlich effizienter umgehen als bislang. Denn Energie, die nicht verbraucht wird, muss erst gar nicht produziert werden.“

Stromproduktivität hessischer Unternehmen

Hessische Unternehmen werden immer produktiver und effizienter. Mit jeder verbrauchten Kilowattstunde Strom wurde im Jahr 2016 rund 16 Prozent mehr produziert bzw. erwirtschaftet als im Jahr 2010. Im Ergebnis ging im Jahr 2016 (aktuellste verfügbare Statistik) der temperaturbereinigte Bruttostromverbrauch um 0,2 Prozent zurück, obwohl die hessische Wirtschaft um 1,5 Prozent wuchs. Al-Wazir: „Das heißt konkret: Wirtschaftliche Entwicklung ist auch ohne steigenden Stromverbrauch möglich! Wir haben es geschafft, beides voneinander zu entkoppeln. Weitere Anstrengungen sind aber nötig und lohnen sich – für die Umwelt und die Bilanz des Unternehmens.“

Stromverbrauch je Haushalt

Der Pro-Kopf-Stromverbrauch der privaten Haushalte in Hessen sinkt seit 2010 Jahr für Jahr. Im Jahr 2016 lag er bei 1.611 Kilowattstunden je Einwohner. Gegenüber dem Jahr 2010 errechnet sich ein Rückgang von 11,9 Prozent.

Beispielhafte Maßnahmen aus der Energie-Agenda 2015

Maßnahme 1:
WIR HELFEN KOMMUNEN, ENERGIE UND KOSTEN ZU SPAREN

Ziel: Insgesamt 50.000 konventionelle Straßenbeleuchtungen bis zum Jahr 2019 auf
energiesparende LED-Technik umstellen. Denn die Straßenbeleuchtung macht
durchschnittlich ein Drittel der Stromrechnung einer Kommune aus.

Ergebnis: In über 110 hessischen Städten und Gemeinden wurden bzw. werden mit
Unterstützung des Landes und des Bundes 85.000 Straßenleuchten modernisiert. Dies sind rund 17 Prozent der hessischen Straßenleuchten, die seit 2016 durch stromsparende LEDs ausgetauscht wurden. Die Zielmarke ist damit bereits heute weit übertroffen. Land und Bund haben seit dem Jahr 2016 dafür rund 24,6 Mio. Euro an Zuschüssen bewilligt. Al-Wazir appellierte an die Kommunen, vor allem an die Stadt Frankfurt, mit der Umrüstung fortzufahren bzw. zu beginnen, da es sowohl der Umwelt und dem Klima nützt als auch den kommunalen Haushalt mittelfristig entlastet.

Maßnahme 3:
WIR STARTEN EINE BERATUNGSOFFENSIVE FÜR DEN MITTELSTAND

„Viele Energieeinsparmaßnahmen amortisieren sich in kurzer Zeit. Sie sind damit für viele Unternehmen hochattraktiv. Wir bieten deshalb kleinen und mittleren Unternehmen in Hessen eine kostenlose Energieberatung“, so der Minister. Alleine zwischen Oktober 2015 bis Mitte 2017 haben mehr als 160 Unternehmen die Beratung in Anspruch genommen (aktueller Stand: 325 Unternehmen beraten). Die Hälfte dieser Unternehmen hat nach der Beratung Energieeffizienz-Maßnahmen umgesetzt (37 %) oder geplant (15 %). Gut zwei Drittel dieser Unternehmen gab an, dass sich die Maßnahmen voraussichtlich bereits innerhalb der ersten fünf Jahre amortisieren.


AUSBAU ERNEUERBARE ENERGIEN

Windenergie

Insgesamt wurden im Jahr 2017 in Hessen nach einer Erhebung der deutschen Windguard 94 Anlagen mit einer Leistung von 280 Megawatt neu errichtet. Im Bundesvergleich steht Hessen damit erstmals auf Platz 6. Alleine die in den vergangenen vier Jahren installierten Windenergieanlagen erzeugen Strom für mehr als 550.000 Haushalte.

Al-Wazir: „Damit haben wir die installierte Windkraft in Hessen in dieser Legislaturperiode verdoppelt: Von ca. 930 MW auf aktuell ca. 1933 MW.“ Ende 2017 gab es in Hessen 108 genehmigte, aber noch nicht umgesetzte Windenergieanlagen mit einer Gesamtleistung von 329 Megawatt.






Photovoltaik

„Immer mehr hessische Hauseigentümer setzen auf Stromerzeugung auf dem eigenen Dach“, so der Minister. „Im vergangenen Jahr wurden in Hessen Photovoltaikanlagen mit einer Gesamtleistung von 72,5 Megawatt installiert. Das ist ein Plus von 79 Prozent im Vergleich zum Jahr 2015.“ Bundesweit steigerte sich der Zubau im gleichen Zeitraum um 27 Prozent. Al-Wazir: „Die Trendwende ist geschafft. Nach jahrelangem Rückgang nimmt der Ausbau der Photovoltaik jetzt besonders in Hessen wieder Schwung auf. Die überdurchschnittlich gute Entwicklung in Hessen ist dabei sicherlich auch ein Ergebnis unseres Solarkatasters Hessen. Solarstrom lohnt sich wieder.“



Beispielhafte Maßnahmen aus der Energie Agenda

Maßnahme 8:
WIR FÖRDERN GRÜNSTROM AUF DEM EIGENEN DACH

Ziel: Bis 2018 fördern wir Mieterstrommodelle für 1.000 Wohneinheiten. Der erzeugte Strom wird vor Ort und von den Mietern direkt genutzt. Dafür stellen wir 1,5 Mio. Euro bereit. Aktueller Stand: Im Zuge der Energie Agenda wurden 20 Projektskizzen mit 789 Wohneinheiten eingereicht. Seit Juli 2017 ist aufgrund des neuen bundesweit geltenden Mieterstromgesetzes eine Landesförderung beihilferechtlich nicht mehr zulässig.

Maßnahme 10:
WIR INFORMIEREN SACHLICH ÜBER WINDENERGIE. UND BERATEN PRAGMATISCH.

Die Landesregierung hat die Mittel für das Bürgerforum Energieland Hessen – dem
Informations- und Mediationsangebot des Landes – seit 2014 kontinuierlich erhöht. Damit wurden u.a. über 75 Dialogveranstaltungen, Coachings und Mediationen in etwa 60 hessischen Kommunen durchgeführt. Komplexe Themen der Energiewende von
überregionalem Interesse wurden mit renommierten Experten in Faktenchecks erörtert und in verständlicher Form in Faktenpapieren aufbereitet. Nach allen Umfragen steht weiterhin eine deutliche Mehrheit in Hessen hinter der Energiewende, auch hinter der Nutzung der Windkraft.


NETZAUSBAU

Natürlich hat der Umbau der Energieversorgung – weg von Kohle und Atom, hin zu den Erneuerbaren – auch ganz konkrete Auswirkungen auf die Stromnetze: Es gibt deutlich mehr Stromproduzenten und die erzeugte Energie schwankt stärker. Das stellt auch die Stromnetze vor völlig neue Herausforderungen

Beispielhafte Maßnahmen aus der Energie-Agenda

Maßnahme 5:
ALTE STROMNETZE KOMMEN AN IHRE GRENZEN. WIR ZEIGEN NEUE WEGE AUF.

Ziel: Erstellung einer Verteilnetzstudie für Hessen
Ergebnis: Trotz Rekordausbau bei der Windkraft und neuem Schwung beim Solarstrom: In den kommenden beiden Jahrzehnten wird das vorhandene Strom-Verteilnetz in Hessen nicht mehr wesentlich erweitert werden müssen. Al-Wazir: „Wir werden bei den regionalen Stromnetzen auf absehbare Zeit praktisch ohne neue Strommasten auskommen. Voraussetzung aber ist, dass die bestehenden Netze umfassend modernisiert und ertüchtigt und die Steuerung digitalisiert wird. Die gestern vorgestellte Verteilnetzstudie gibt dazu konkrete Hinweise.“



NEUE SCHWERPUNKTE: DIE ENERGIEWENDE IN HESSEN WIRD DIGITALER UND VERNETZTER

„Wir haben bei der Energiewende in Hessen viel erreicht – deutlich mehr als mancher vor vier Jahren für möglich gehalten hatte“, so Al-Wazir: „Aber das reicht uns nicht. Wir werden jetzt konsequent den nächsten Schritt gehen und die Energiewende digitaler und vernetzter gestalten.“ Die konkreten Umsetzungsschritte werden entlang einer Roadmap Hessen erfolgen. Fortschritte und Potenziale und qualitative Interviews mit den größten und innovativsten Energieanbietern, hessischen Entwicklern und Produzenten am Markt wurden dazu fachlich ausgewertet. Al-Wazir: „Der Blick auf unsere Stärken und die wesentlichen Akteure in Hessen zeigt: Wir haben die Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Kommunen, die vormachen können, wie die intelligente Energiewende geht. Und das Land sorgt für den Rahmen und die Unterstützung, die es braucht für Entwicklung sowie Umsetzung von wegweisenden Energiewende-Ideen.“

Im Ergebnis wurden sechs Gebiete identifiziert, die für den weiteren Erfolg der
Energiewende in Hessen entscheidend sind und aus denen sich für Hessen die größten wirtschaftlichen Chancen ergeben.




_Strom Ausbau EE: Verstärkte Nutzung von PV-Freiflächen prüfen. Hierzu soll u. a. auch von der im EEG verankerten Möglichkeit Gebrauch gemacht werden, landwirtschaftliche Flächen in sog. benachteiligten Gebieten für PV-Anlagen zu nutzen. Eine entsprechende Verordnung des Landes, die dafür eine Obergrenze von 50 MW/Jahr vorsieht, wird derzeit vorbereitet.
_Strom Energieeffizienz: LandesEnergieAgentur als zentraler Ansprechpartner für
Unternehmen
_Wärmeeffizienz erhöhen: Energieverbrauch bei Neubauten und im Gebäudebestand reduzieren
_Verkehr weiterer Ausbau Infrastruktur EE-Mobilität: Ausbau Ladepunkte (Stand: Juni 2017: 843 öffentlich zugängliche Ladepunkte = 104 LP je Mio. Einwohner. Laut BDEW Platz 2 aller Flächenländer). Förderung E-Mobilität seit 2015 (1 Mio. Euro) bis 2018 (6,8 Mio. Euro + 5 Mio. E-Bus Förderung) kontinuierlich erhöht.

Zwei zentrale Querschnittsthemen werden in der Studie für Hessen als besonders
vielversprechend beschrieben: Digitalisierung und Sektorenkopplung. „Es geht darum, die Energiewende digital zu managen“, so Al-Wazir. „Dafür hat Hessen die besten
Voraussetzungen. Wir haben den größten Internetknoten der Welt, in Hessen stehen die energieeffizientesten Rechenzentren und wir haben beim Breitbandausbau ein Niveau mit schnellem Internet erreicht, dass in Zukunft flächendeckend in
Hessen – und insbesondere in den Gewerbegebieten – auch sehr datenintensive
Anwendungen über das Internet ermöglicht.“

DIGITALISIERUNG

Digitalisierung hilft, Energie einzusparen, den Strom im richtigen und günstigsten Moment zu verbrauchen und die Schwankungen unterworfenen Erneuerbaren Energien in das Stromnetz zu integrieren.

Da klassische reine Stromverbraucher wie Unternehmen und private Haushalte mehr und mehr zusätzlich auch die Rolle von Stromerzeugern und Zwischenspeichern übernehmen, werden die Prozesse immer dezentraler und die Zahl der Verknüpfungen und Abrechnungsvorgänge steigt. Das geht nur mit zunehmender Digitalisierung.

Beispiel „Smarte Energie in hessischen Schulen“
An ausgewählten hessischen Schulen soll modellhaft erprobt werden, wie stark sich der Energieverbrauch mit einer intelligenten Regelung reduzieren lässt. Beim
Heizwärmeverbrauch sind nach bisherigen Erfahrungen bis zu 15 Prozent zu erwarten. Durch die digitale Steuerung wird vermieden, dass Räume unnötig beheizt werden. Das Wirtschaftsministerium fördert innerhalb des Modellprojekts bis zu 90 Prozent der investiven Kosten.

Beispiel intelligente Stromnetze:
In den nächsten zwei Jahrzehnten stehen große Investitionen in die Modernisierung der hessischen Verteilnetze an. Durch intelligente und digitale Steuerung lassen
sich diese Kosten – die letztlich von den Stromverbrauchern gezahlt werden müssen – um 10 bis 15 Prozent senken. Das Einsparpotenzial beläuft sich damit auf eine Größenordnung von etwa 150 bis 200 Millionen Euro.

Al-Wazir: „Wenn man von bundesweit 500 Kraftwerken auf ein System mit zwei Millionen Einspeisern – von der Windenergieanlage bis zum Solardach - und fluktuierendem Stromangebot geht, kann man das nicht mehr von Hand auf einer Leitwarte steuern, sondern nur noch automatisiert und damit digital. Dabei wollen wir Vorreiter für ganz Deutschland werden.“

SEKTORENKOPPELUNG

Als zweiten Schwerpunkt für Hessen wurde die Sektorenkoppelung identifiziert. Diese Abstimmung zwischen Erzeugung und Verbrauch von Energie über die Grenzen der
Sektoren Strom, Wärme Verkehr und stoffliche Nutzung hinweg erhöht die Effizienz des Gesamtsystems. Damit kann auch ein maßgeblicher Beitrag zur Dekarbonisierung erbracht werden. „Hessen lebt wie wahrscheinlich kein zweites Land mit und vom Mobilitätssektor Die Kehrseite der Medaille: Mehr als ein Drittel des gesamten
Schadstoffausstoßes kommen aus dem Verkehrsbereich. Deshalb ist der Druck bei uns
besonders hoch. Zugleich bietet dies aber auch enorme wirtschaftliche Chancen. Mittel und Instrumente, die in Hessen funktionieren, haben den Praxistest definitiv bestanden. Und diese Lösungen sind weltweit begehrt und eine riesige wirtschaftliche Chance.“

Laufende Projekte:
Oberleitungshybrid-LKW, Förderung E-Busse

Beispiel Brennstoffzellenzug:
Die Brennstoffzelle gewinnt elektrische Energie aus der kontrollierten Reaktion von
Wasserstoff mit Sauerstoff zu Wasser. Statt Abgasen entsteht dabei lediglich Wasserdampf. Der gerade in Wiesbaden vorgestellte Alstom-Zug ist zudem mit einer Batterie ausgestattet, um die an Bord erzeugte elektrische Energie zwischenspeichern und Bremsenergie rückgewinnen zu können. Mit einer Tankfüllung Wasserstoff kann der iLint bis zu 1.000 Kilometer zurücklegen und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 140 km/h. Tanken können die Züge im Industriepark Höchst, wo Wasserstoff als Koppelprodukt, also ohne zusätzlichen Energieaufwand, anfällt.

Beispiel: Intelligente Energienetze im Quartier
Seit Sommer 2017 ein intelligentes Netz mit Einbindung eines effizienten
Blockheizkraftwerks, PV, Batteriespeichern und Nachfragesteuerung in einem
Neubauquartier in Kelsterbach aus Landesmitteln gefördert. Ein ähnliches Projekt, bei dem ein neues Wohnquartier aus KfW-40-Häusern mit einer zentralen solaren Stromerzeugung (installierte PV-Leistung: Ca. 560 kWp, erwarteter Jahresertrag: 511 MWh), Batteriespeicher, Wärmepumpen sowie hauseigenen und öffentlichen Ladestationen für Elektrofahrzeuge ausgestattet wird, ist im südhessischen Biblis in Vorbereitung. Auch für ein neues Wohnquartier im Frankfurter Norden werden entsprechende Pläne entwickelt.

Marco Kreuter / Pressestelle
Hessisches Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung
Kaiser-Friedrich-Ring 75, 65185 Wiesbaden
Tel: 0611 815 2020 E-Mail: marco.kreuter@wirtschaft.hessen.de
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