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Hessen startet Bundesratsinitiative für Stromnetze


Energiewende

Hessen startet Bundesratsinitiative zur Ertüchtigung der Stromnetze
Al-Wazir: Am Atomausstieg darf nicht gerüttelt werden


Wiesbaden, 23. März 2018


Um einen weiteren Zubau der Erneuerbaren Energien zu ermöglichen und gleichzeitig die Kosten für Netzstabilisierungsmaßnahmen zu begrenzen hat der hessische Wirtschafts- und Energieminister Tarek Al-Wazir die Bundesregierung aufgefordert, neben dem dringend notwendigen Ausbau der Stromnetze auch die vorhandenen Übertragungsnetze kurzfristig zu optimieren. „Der Stromnetzausbau ist völlig aus dem Zeitplan geraten. Das macht mir größte Sorgen. Denn es ist klar, dass Suedlink im Jahr 2022, wenn das letzte AKW vom Netz gehen soll, nicht fertig ist“, sagte Al-Wazir am Freitag im Bundesrat in Berlin. „Und ich kann mir genau vorstellen, was dann passiert: Dann wird sich die CSU in Bayern, die den Netzausbau in den letzten Jahren nach allen Regeln der Kunst blockiert hat, hinstellen und erklären: Damit in den Fabriken von BMW und Siemens nicht die Lichter ausgehen, müssen wir die Atomkraftwerke länger laufen lassen. Und das kann nicht sein.“

Das Land Hessen hat daher heute einen Antrag mit konkreten Vorschlägen zur Optimierung und besseren Auslastung der bestehenden Netze in den Bundesrat eingebracht. Al-Wazir: „Wir fordern darin die Bundesregierung auf, unverzüglich gemeinsam mit den Übertragungsnetzbetreibern und aufbauend auf deren bisherigen Planungen weitere geeignete Trassen für den Einsatz von Freileitungsmonitoring und Hochtemperaturleiterseilen zu identifizieren und dafür Sorge zu tragen, dass die für einen umfassenden Einsatz dieser Technologien erforderlichen Informations- und Kommunikationstechnologien schnellstmöglich installiert werden. Um einen zeitnahen Einsatz dieser Technologien zu ermöglichen, sollten die erforderlichen Planungs- und Genehmigungsprozesse entsprechend gestrafft beziehungsweise vereinfacht werden.“
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Hintergrund Stromnetze

Mit der zunehmenden Anzahl von dezentralen Erneuerbaren-Energien-Anlagen verändern sich die Anforderungen an die die Planung und den Betrieb insbesondere der Übertragungsnetze erheblich. Die historisch gewachsene Netzstruktur, die auf der Einspeisung zentraler Großkraftwerke beruhte, wird der durch einen flächigen Zubau von Erneuerbare-Energien-Anlagen und dadurch bedingter Verlagerung der Erzeugungsschwerpunkte nicht mehr gerecht. Um die Erzeugung und den Verbrauch von Strom über große Entfernungen auszugleichen und die Leistungsfähigkeit des Übertragungs-netzes insgesamt zu erhöhen, ist ein schnellstmöglicher Ausbau des Übertragungsnetzes und damit eine Realisierung der im Energieleitungsausbaugesetz und im Bundesbedarfsplangesetz aufgeführten Netzausbauvorhaben dringend erforderlich.
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Al-Wazir: „Die Verzögerungen beim Netzausbau haben aber noch einen zweiten Aspekt: Sie führen nämlich zu höheren Stromkosten, weil immer mehr Geld ausgegeben wird, um Windräder abzuregeln und die Netze zu stabilisieren. Im Ergebnis erklären dann die Gegner der Energiewende: Schaut her, die Stromkosten steigen ins Unermessliche. Fakt ist aber, nicht der Ausbau der Erneuerbaren Energien ist schuld, sondern der schleppende Ausbau der Netze. Unsere Bundesratsinitiative bietet darauf eine schnelle, günstige und pragmatische Antwort. Ertüchtigung der bestehenden Netze, das geht schnell, mit wenig Aufwand und kostengünstig. Und es überbrückt die Zeit, bis die dringend nötigen neuen Netze fertig sind.“

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Hintergrund Netzengpässe

Netzengpässe entstehen, wenn ein Betriebsmittel (das kann beispielsweise eine Leitung oder ein Transformator sein) den notwendigen Leistungsbedarf nicht übertragen kann. Ausschlaggebend sind dabei insbesondere physikalische Grenzen wie etwa die mit steigendem Stromfluss ansteigende Temperatur des Betriebsmittels. Die Erwärmung eines Leiterseils etwa führt zu dessen Verlängerung und dies wiederum zu einem starken Durchhang bei Freileitungen. Diese thermische Grenze kann durch den Einsatz von Hochtemperaturleiterseilen, die auch bei starker Erwärmung nur eine geringfügige Längenveränderung aufweisen, erheblich angehoben werden, sodass die Übertragungskapazität um bis zu 100 Prozent erhöht werden kann. Die Übertragungsleistung ist zudem von weiteren, externen Faktoren wie Umgebungstemperatur oder der Windgeschwindigkeit abhängig. Die nach einer DIN-Norm erfolgende Berechnung der maximalen Strombelastung legt für diese Faktoren starre Werte zugrunde, die im tatsächlichen Betrieb häufig erheblich unterschritten werden. Mit einem Freileitungsmonitoring können die Temperatur oder Durchhang oder Witterungsbedingungen vor Ort erfasst werden und so die maximal zulässige Strommenge dynamisch angepasst werden. Zudem kann durch Lastflusssteuerung mittels Querregeltransformatoren Strom von einer überlasteten auf eine nicht ausgelastete Leitung verlagert werden. So können auch lastfluss-steuernde Elemente wie Phasenschieber beziehungsweise Querregeltransformatoren einen kurzfristigen Entlastungseffekt bewirken, deren Potentiale und Einsatzmöglichkeiten von der Bundesregierung zu prüfen sind.

Die Bundesratsinitiative ist hier abrufbar.


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Noch nie war Hessen unabhängiger von Kohle- und Atomkraft. Und noch nie gab es in Hessen mehr Strom aus Erneuerbaren Energien.



Marco Kreuter / Pressestelle
Hessisches Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung
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