Bürgerforum Energieland Hessen in Gießen

Faktencheck Windenergie in Hessen – Große Räder, kleine Erträge?

„Mit Modellen der Energiegenossen­schaft oder der kommunalen Beteiligung lassen sich nicht nur Bürgerinnen und Bürger finanziell einbeziehen, hier wird meist auch vorsichtiger kalkuliert, als bei anderen Windenergieprojekten.“ Die Experten bei der Veranstaltung „Faktencheck Windenergie in Hessen“ machten deutlich: Es muss nicht sein, dass viele Windparks – wie bisher – kleine Erträge haben und die Anleger nicht die versprochenen Verzinsungen erhalten. „Trotz bestehender Risiken sollte man als Bürger und als Kommune die bestehenden Möglichkeiten in Erwägung zu ziehen.“ So lautete das Fazit der Experten – unterstützt von vielen Kommunalpolitikern – am Ende der Veranstaltung, die gestern im Bürgerhaus Kleinlinden in Gießen stattfand.

Gießen, 22. Juli 2015. Rund 80 Vertreter der hessischen Kommunal- und Landespolitik, der Regierungspräsidien sowie Mitglieder von Verbänden folgten gestern der Einladung des Landesprogramms „Bürgerforum Energieland Hessen“ zum zweiten „Faktencheck Windenergie in Hessen“. Ziel der Veranstaltung war es, die betriebs­wirtschaftliche Rentabilität und die Chancen sowie Risiken verschiedener Formate der finanziellen Beteiligung von Bürgern und Kommunen herauszustellen und zu hinterfragen. Nach dem Grußwort des Gießener Regierungspräsidenten Dr. Lars Witteck referierten die Experten Werner Daldorf, Steuerberater in Kassel, und Volker Berkhout, Fraunhofer IWES in Kassel, zu den bisherigen Bilanzen von Windenergieprojekten. Bislang erreichten viele Standorte im Binnenland nicht die prospektierten Erlöse, was an vielerlei Faktoren wie beispielsweise mangelhaften Windgutachten läge. Dieses wurde in einem kurzen Beitrag von Mitgliedern der Initiative Vernunftkraft durch eigene Zahlen und Berechnungen für Hessen bestätigt. Es wurde aber auch deutlich, dass man hier vieles besser machen kann – und dass es auch besser gemacht wird: Dazu gehören moderne Lasermesstechnik, optimierte Anlagen und vorsichtigere Gewinnversprechungen.

Im zweiten Teil der Veranstaltung gingen die Experten Dr. Thorsten Boos, Kanzlei Schüllermann & Partner, sowie Thomas Pfister, Verbraucherzentrale NRW, auf die Möglichkeiten und Formen der Beteiligung von Kommunen und BürgerInnen an Windenergieprojekten ein. Beide betonten: Trotz der betriebswirtschaftlichen und rechtlichen Herausforderungen bestünden hier Chancen auf wirtschaftliche Rendite und auch auf Akzeptanz der Energiewendeprojekte. Die anschließende Gesprächsrunde mit Kommunalpolitikern aus Trendelburg, Felsberg und dem Werra-Meißner-Kreis berichtete von überwiegend positiven Erfahrungen mit Bürgerenergiegenossenschaften hinsichtlich lokaler Wertschöpfung – wobei die Wirkungen hinsichtlich der Akzeptanz nicht überschätzt werden sollten.

Das Bürgerforum hat die Inhalte der Veranstaltung für ein Faktenpapier aufbereitet und stellt es der interessierten Öffentlichkeit auf dieser Website zur Verfügung. Hier geht es zum Download.

Faktencheck Windenergie in Hessen am 21.07.2015 in Gießen

Kurzfilm (5:04 Min)