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Bürgerforum Energieland Hessen in Dautphetal

BFEH-Infomarkt „Windenergie in Dautphetal“

Info-Markt ermöglicht Austausch zu Windparkplänen in Herzhausen

Am Samstag, den 5. September 2020 fand von 11.00 bis 16.00 Uhr in der Hinterlandhalle der Infomarkt „Windenergie in Dautphetal“ statt.

Rund 120 Bürgerinnen und Bürger nutzten die Einladung der Gemeinde Dautphetal und des „Bürgerforums Energieland Hessen“ der LandesEnergieAgentur Hessen, um sich in zwei Präsentationsrunden um 11.00 und um 14.00 Uhr und an acht Informationsständen über das geplante Windparkvorhaben auf Dautphetaler und Gladenbacher Gemarkung zu informieren. Der Infomarkt wurde von einer angemeldeten Demonstration gegen Windenergie vor der Hinterlandhalle begleitet.

In seiner Begrüßung freute sich Bürgermeister Bernd Schmidt über den Besuch zahlreicher interessierter Bürgerinnen und Bürger. Er betonte die Beschlusslage der Gemeinde, keine weiteren Flächen für Windenergie zur Verfügung zu stellen und nur die Wegenutzung gewähren, sofern sie dazu verpflichtet ist. Bei den vorgesehenen Flächen handele es sich um Privatflächen, auf die die Gemeinde keinen Einfluss habe. Dennoch liege es im Interesse der Gemeinde, das Vorhaben sachorientiert zu diskutieren.

Für Christopher Lüning von der LandesEnergieAgentur (LEA) leistete der Infomarkt einen wichtigen Beitrag zu dieser angestrebten Versachlichung der Diskussion. Er betonte im Vortrag vor dem Infomarkt, dass Hessen ein Stromimportland sei und man aus Landessicht neben dem Klimaschutz auch den Aspekt der Energiesicherheit betrachten müsse, der durch Windparkprojekte unter Wahrung des Natur- und Artenschutzes ermöglicht werde.

Projektleiter Fabian Stöhr von der PNE AG präsentierte das Vorhaben auf der Anhöhe zwischen Diedenshausen und Herzhausen erstmals vor Ort der Öffentlichkeit in einem Vortrag – Corona-bedingt musste der für das Frühjahr geplante Infomarkt auf September verschoben werden. Fragen aus dem Publikum konnten hier beantwortet werden – mit dem Hinweis, weitere Fragen im Einzelgespräch innerhalb des Infomarkts zu klären.

Im anschließenden Austausch am PNE-Infostand stellte Stöhr, der von externen Natur- und Artenschutz-Gutachtern begleitet wurde, fest, dass die Diskussionen aus seiner Sicht durchweg sehr sachlich geführt wurden. „Besonders begrüße ich, dass die Bürgerinitiative mit einem Infostand vertreten war und so auch ein direkter persönlicher Austausch stattfinden konnte“, so der Projektentwickler. Für ihn sei es wichtig, auch zukünftig mit den Menschen vor Ort im Gespräch zu bleiben.

Aber nicht nur mit dem Projektentwickler, sondern auch untereinander diskutierten Besucherinnen und Besucher am Stand von PNE das Pro und Contra von Windenergieanlagen vor Ort.

Hauptthema am Infostand der faunistischen Gutachter war das Vorkommen des Schwarzstorches. Die Windkraftgegner „IG Franzosendrusch“ zeigten an ihrem Stand direkt gegenüber Videofilme von Sichtungen des Schwarzstorchs in der Region. „Bei unseren faunistischen Kartierungen 2018 konnten wir keinen besetzten Horst vom Schwarzstorch nachweisen“, so Tobias Ochmann von Korn & Stübing - Büro für faunistische Fachfragen. „Der Schwarzstorch überflog im Kartierungsjahr das Gebiet lediglich einige Male als Nahrungsgast. Daher sind wir für Hinweise aus der Bevölkerung sehr dankbar“. Ein wichtiges Ergebnis des Infomarktes ist für ihn der persönliche Austausch mit Vertretern der „IG Franzosendrusch“, aus dem die Verabredung einer gemeinsamen Ortsbegehung zu einem von der IG entdeckten Schwarzstorchhorst resultierte.

Weitere Fachfragen zu Umwelt und Natur beantworten die Gutachterinnen und Gutachter vom Büro für angewandte Ökologie und Forstplanung GmbH an ihrem Infostand. Hier wurden Fragen zur Flächenbeanspruchung während der Bauzeit und im dauerhaft im Betrieb beantwortet.

Gutachter Lars Levermann von der Pavana GmbH informierte an seinem Stand über Schallimmissionen und Schattenwurf. Zahlreiche Besucherinnen und Besucher interessierten sich für die Regelung bei Schattenwurf durch die Windenergieanlagen. Hier konnte Levermann erläutern, dass die verursachenden Anlagen automatisch abgeschaltet werden, sobald ein Schattenwurf im betroffenen Gebiet länger als 30 Minuten am Tag oder insgesamt acht Stunden im Jahr erfolgt.

Am Informationsstand der LEA erhielten die Besucherinnen und Besucher Informationsmaterialien rund um das Thema Windenergie in Hessen. Besonders nachgefragt waren hier die Faktenpapiere, unter anderem zu Infraschall und Naturschutz, die in Faktenchecks mit Experten im Rahmen des Bürgerforums Energieland Hessen erstellt wurden. Christopher Lüning: „Ich fand es interessant, viele prinzipielle Energiewendebefürworter zu erleben, die dennoch Bauchschmerzen mit der Veränderung vor Ort hatten. Hier müssen wir auch noch stärker aufzeigen: wohin geht der Weg und warum ergeben die Windparkprojekte gesellschaftlich Sinn – und für den Naturschutz insgesamt angesichts des Klimawandels?“

Claudia Bröcker vom Regierungspräsidium Gießen erfuhr an ihrem Infostand, dass sich viele Bürgerinnen und Bürger besonders um den Wald Sorgen machen, gerade jetzt, wo die Waldschäden durch die Trockenheit besonders sichtbar sind. Einige Besucherinnen und Besucher schlugen vor, die geschädigten Waldflächen mit Windenergieanlagen zu bebauen, statt die Waldflächen im Teilregionalplan ausgewiesenen Windvorranggebiete zu nutzen. Hier konnte Bröcker darstellen, dass in einem mehrjährigen Prozess rund 50 verschiedene Kriterien vor der Ausweisung der Windvorranggebiete abgeprüft wurden und der beschlossene Teilregionalplan Energie in dieser Form rechtlich verbindlich für aktuelle Vorhaben ist. Dort Standorte mit den geringsten Auswirkungen auf die Natur zu finden, sei dann Aufgabe der Projektentwickler und Teil der Genehmigung.

Am Stand der beiden jungen Aktivisten der Fridays for Future-Bewegung diskutierten Besucherinnen und Besucher über die Grenzen der Belastung durch die Windenergieanlagen in Dautphetal. Während sich die Aktivisten für 100% Erneuerbare Energien einsetzen, sind viele Menschen in Dautphetal der Ansicht, dass die Gemeinde bereits mehr erneuerbare Energien produziere als andere Kommunen in Hessen und eine noch größere Belastung daher nicht auf sich nehmen sollte.

Fazit von Bürgermeister Schmidt am Ende des Tages: „Es war wichtig, dass der Infomarkt zur Information der Öffentlichkeit jetzt und in dieser Zusammensetzung stattgefunden hat und dass es einen sachlichen Austausch zwischen Gegnern und Befürwortern gab. Die Veranstaltung soll ein Anstoß sein, im weiteren Planungsprozess im Gespräch zu bleiben.“

Die Präsentationen des Infomarktes werden auf der BFEH-Webseite veröffentlicht https://www.energieland.hessen.de/Dautphetal. Hier finden sich auch weitere Informationen zum geplanten Windpark.

 

Hintergrundinformation:

Als Projektierer tritt die PNE AG mit einem gemeindeübergreifenden Projekt zwischen Herzhausen, Diedenshausen, Sinkershausen und Bellnhausen (Windvorranggebiet 3123) auf. Hier sollen jeweils drei Windenergieanlagen auf Dautphetaler und auf Gladenbacher Gebiet aufgestellt werden. Über den Genehmigungsantrag, der Ende August gestellt wurde, entscheidet die zuständige Genehmigungsbehörde im Regierungspräsidium Gießen. Die PNE AG sieht eine förmliche Öffentlichkeitsbeteiligung vor und stellt die Möglichkeit einer finanziellen Beteiligung in Aussicht.

Das Bürgerforum Energieland Hessen (BFEH) ist ein Programm der Hessischen LandesEnergieAgentur (LEA). Das BFEH steht hessischen Kommunen bei der Gestaltung der Energiewende vor Ort mit neutraler Sachinformation und Moderationsleistung zur Seite.

BFEH unterstützt Politik und Verwaltung in Dautphetal

Aktuell: Die Fragen und Antworten des Bürgerforums Dautphetal sind jetzt online. Die Liste der Bürgerfragen und die Antworten der Experten finden Sie hier: www.energieland.hessen.de/Buergerfragen_Dautphetal.

Auf den Gemeindeflächen von Dautphetal gibt es geeignete Standorte für die Nutzung von Windkraft. Diese Flächen liegen nahe des Ortsteils Herzhausen. Die Gemeinde möchte mit Unterstützung des BFEH die Öffentlichkeit über das Vorhaben informieren.

Auf der im Teilregionalplan Energie Mittelhessen ausgewiesenen Windvorrangfläche 3123 möchte die PNE AG insgesamt sechs Windenergieanlagen errichten. Drei dieser geplanten Anlagen befinden sich innerhalb des Dautphetaler Gemeindegebiets (s. Abbildung oben). Die Genehmigungen sollen noch im Jahr 2020 beantragt werden. Darüber, ob und in welcher Form das Vorhaben bewilligt wird, wird nach einem sehr umfangreichen Prüfungsverfahren mit Öffentlichkeitsbeteiligung das Regierungspräsidium in Gießen entscheiden.

Weitere Informationen zum Projekt finden Sie in der Präsentation des Projektierers.

Das BFEH und die Gemeinde Dautphetal wollen zeitnah in einer umfangreichen Info-Veranstaltung über die Windenergie in Dautphetal informieren. Der für Ende April anvisierte Termin musste aufgrund der Corona-Pandemie (SARS-CoV-2 / CoViD-19) verschoben werden.
Sobald die Corona-Einschränkungen gelockert werden, kann eine Info-Veranstaltung in der Gemeinde Dautphetal / Gladenbach stattfinden. Weitere Informationen folgen.

In der Zwischenzeit wurde mit dem Gemeindeblatt ein Informationsbrief an alle Haushalte in der Gemeinde verschickt, der über das Projektvorhaben und den aktuellen Planungsstand informiert.